"Sendung mit der Maus"

Unendlicher Erfolg einer stummen Moderatorin

Eine orangefarbene Maus versorgt die Kinder seit 40 Jahren mit Lach- und Sachgeschichten. Dabei war sie in der Anfangszeit umstritten.

Niemand klimpert charmanter mit den Augendeckeln als die kleine, orange-braune Maus aus der nach ihr benannten WDR- Sendung. Zwei Kokosnussschalen und eine Kastagnette – mehr braucht es nicht, um den neugierigen Nager zum Leben zu erwecken, ihn zum Laufen und Augenaufschlagen zu bringen. Seit nunmehr vier Jahrzehnten erfreut sich „Die Sendung mit der Maus“ ungebrochener Beliebtheit. Die ersten „Lach- und Sachgeschichten“, wie das Format anfangs hieß, wurden am 7. März 1971 ausgestrahlt. Der Nager selbst hatte seinen ersten TV-Auftritt erst drei Tage später: In einer Bildergeschichte inspizierte die Maus einen Tante-Emma-Laden.

Die Titelmusik ist zu einer Erkennungsmelodie geworden, die jeden Sonntag mehr als 1,6 Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockt - ein Ritual, für das sich alle Generationen versammeln: Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt dem WDR zufolge bei rund 40 Jahren. „Lach- und Sachgeschichten – heute mit ...“ heißt es dann und anschließend vielleicht „Hupia ja hyötyä – tänään ...“ – denn seit 1973 wird der „Maus“-Vorspann in einer Fremdsprache wiederholt, von A wie Aramäisch bis Z wie Zulu. Im selben Jahr gesellte sich der blaue Elefant, ab 1987 die gelbe Ente zur Maus.

Auch für viele andere Kinderlieblinge wurde die Sendung zum Sprungbrett, etwa für den tschechischen Maulwurf, Janoschs Tiger und Bär, Käpt'n Blaubär und Hein Blöd oder Shaun, das Schaf. Zu den Zuschauerlieblingen zählen auch der Armin (Maiwald), der Christoph (Biemann) und der Ralph (Caspers), die in ihren Sachgeschichten immer sonntags um 11.30 Uhr den Rätseln des Alltags auf die Spur kommen und Antworten auf Fragen wie „Können Schweine schwimmen?“ oder „Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?“.

Mit der damals ungewöhnlichen, comicartigen Strichführung und dem poppigen 70er-Jahre-Orange hat die Maus allen Trends getrotzt. Dabei hat die gewitzte Zeichentrickfigur, die 1971 von der Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel erfunden wurde, bis heute keinen Namen und noch nie ein Wort gesprochen. Ihre Stärken liegen woanders: Sie kann etwa ihren Bauch aufklappen, in dem sie ihr Werkzeug griffbereit hat, oder mit ihrem Schwanz Türen öffnen.

„Türen auf!“ lautet das Motto, unter dem sich die Maus anlässlich ihres runden Geburtstags aufgemacht und hinter die Kulissen unterschiedlichster, von den Zuschauern vorgeschlagenen Orten geblickt hat. Was sie in Laboren, einer Kaugummifabrik oder der Umkleidekabine der Fußballnationalmannschaft alles entdeckt hat, zeigt die Geburtstagsshow am 13. März im Ersten und im Ki.Ka. Nur eine Tür blieb selbst der Maus verschlossen: „Die Tür zur Küche der Kanzlerin, die haben wir nicht aufgekriegt“, sagt Christoph Biemann. „Was ich gut verstehen kann. Wer will schon eine Maus in seiner Küche haben“, sagte der 58-Jährige schmunzelnd.

Heftige Kritik in den 70er-Jahren

Heute kaum noch vorstellbar, war die Maus in ihren Anfangsjahren durchaus umstritten. „Anfangs sind wir richtig angefeindet worden“, erinnert sich Biemann. „Hauptsächlich von Pädagogen, die ein klares, pädagogisches Konzept vermissten. Die haben nicht verstanden, dass es uns nicht vorrangig um Wissensvermittlung ging, sondern immer auch um Unterhaltung.“ Auch den Kirchen passte die Sendung damals nicht – wurde sie doch zur Gottesdienstzeit ausgestrahlt.

Die einstündige Geburtstags-„Sendung mit der Maus“ wird am 13. März ausnahmsweise schon ab 11.00 Uhr im Ersten und im Ki.Ka. ausgestrahlt. Am 9./10. Juli sind zudem eine Jubiläumsausgabe der ARD-Show „Frag doch mal die Maus!“ und ein bundesweiter Aktionstag geplant: „Ja tietysti Maus ja Elefantti“ – natürlich mit der Maus und dem Elefanten. (Das war finnisch.)