70. Geburtstag

Adrian Lyne – Hollywoods Sex- und Erotik-Spezialist

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dpa

Mit "Flashdance" wurde er weltberühmt, danach widmete er sich Sex, Eifersucht und Leidenschaft. Am 4. März feiert Adrian Lyne 70. Geburtstag.

„Liebst du mich?“, fragt Richard Gere als misstrauischer Ehemann in „Untreu“ seine Frau (Diane Lane), ohne zu wissen, dass sie gerade von ihrem Liebhaber kommt. „Ja, natürlich. Was für eine blöde Frage“, sagt sie, verlässt den Raum und schaltet dabei versehentlich das Licht aus.

Regisseur Adrian Lyne betrachtet schonungslos moderne Beziehungen zwischen Liebe, Leidenschaft, Betrug und zerstörerischer Eifersucht. Am 4. März wird er 70.

Tanzfilm "Flashdance" wird internationaler Kassenhit

Lyne wurde 1983 mit „Flashdance“ bekannt – der weltweit geliebten Geschichte der Stahlarbeiterin Alex, die Tänzerin werden will. Dabei war der erfolgreiche Werbefilmer, der mit seinen Spots schon zwei Goldene Palmen in Cannes gewonnen hatte, anfangs alles andere als überzeugt von dem Projekt: „Ich dachte, die Geschichte ist albern“, gab er später zu.

„Flashdance“ verhalf dem Regisseur zu den Freiheiten, um sich in großen Produktionen seinem Lieblingsmotiv zu widmen: den Grenzen der bürgerlichen Vorstellungen von Sex und Liebe.

Schuld, Sex, Täuschung und Verdächtigung

„Mich interessiert alles, was mit Schuld und Sexualität, mit Täuschung und Verdächtigung zu tun hat“, sagte er einmal. Rasende Eifersucht bis zum Mord, ungezügelte Leidenschaft des Moments und sexuelle Obsession bis zur Selbstverleugnung sind die Themen, die sich durch Lynes Filme ziehen.

In seinem Film-Debüt „Jeanies Clique“ (1980) frönt eine Gruppe um die junge Jodie Foster exzessiv Sex und Drogen. In „9 1/2 Wochen“ (1986) steigern sich Kim Basinger und Mickey Rourke in eine so obsessive Affäre, das der Film in amerikanischen Kinos nicht gezeigt werden durfte.

Redford bietet Geld für uneheliche Liebesnacht

In „Ein unmoralisches Angebot“ (1993) präsentieren Robert Redford und Demi Moore, wie die Verlockung von Reichtum durch eine außereheliche Liebesnacht das Eheleben verändert. Und in „Lolita“ (1997) kämpft der pädophile Humbert mit seiner Leidenschaft für die zwölfjährige Tochter seiner Vermieterin.

Obwohl viele seiner Filme zu Erfolgen an den Kinokassen wurden, war Lyne bei den Kritikern lange verschrien. Er verpacke immer nur „schlüpfrige Fantasien in Werbeclipästhetik“, schrieb der „Spiegel“ einmal. „Lolita“ fand wegen seiner Darstellung von Sex mit Kindern in den USA keinen Verleih – und wurde zum Flop.

Lyne wollte keine Durschnittsfilme sehen

Doch Lyne hat sich von Misserfolgen nicht entmutigen lassen. Dem Zuschauer soll das Gefühl im Nacken sitzen, es könnte ihn jederzeit selbst treffen, erklärte er einmal. „Ich mag Filme, die Diskussionen auslösen. Ich liebe es, wenn die Leute deinen Film nicht bis zum Abendessen vergessen haben.“

Am besten gelungen ist ihm das wohl in „Eine verhängnisvolle Affäre“ (1987) mit Michael Douglas und in „Untreu“ (2002) mit Richard Gere. Beklemmend zeigt er, wie eine glückliche Ehe durch einen spontanen und leidenschaftlichen Seitensprung in die Katastrophe schlingert – Mord inklusive.

Viele halten „Untreu“ für Lynes besten Film. Seither ist es aber ruhig geworden um den britischen Regisseur, der seit vielen Jahren abwechselnd im kalifornischen Beverly Hills und in Südfrankreich lebt.

Es gab immer wieder Gerüchte über Projekte, an denen er dann aber doch nicht beteiligt war. Derzeit soll er wieder arbeiten: Er drehe ein Familiendrama, heißt es. In „Back Roads“ soll Jennifer Garner eine junge Mutter spielen, die sich auf eine Affäre mit ihrem 18-jährigen Nachbarn einlässt.