Rockmusik

Hendrix-Schlagzeuger Mitch Mitchell ist tot

In der legendären Band The Jimi Hendrix Experience gab er den Takt an. Jetzt wurde Mitch Mitchell tot in einem Hotelzimmer gefunden. Der 62-Jährige hatte gerade erst seine Tournee durch die USA beendet, bei der er die Songs von damals rockte. Er war das letzte noch lebende Mitglied der Band.

Wenn man den einschlägigen Jimi-Hendrix-Biografen trauen darf, entschied im Frühherbst 1966 eine Münze für Mitch Mitchell. Er wurde bei Hendrix Schlagzeuger, in dessen erster eigener Band Experience. Der hoffnungsvolle Gitarrist aus Seattle war seinem neuen Manager nach Großbritannien gefolgt. „Von cirka 20 Schlagzeugern, die wir getestet hatten, war Mitch Mitchell mit der beste“, wird der Manager zitiert.

Zum Endausscheid warf Michael Jeffery die Münze: Ansley Dunbar, von John Mayalls Bluesbreakers, wurde von Jeffery heim geschickt. Mitch Mitchell nahm hinter den Trommeln Platz. Der Gitarrist Noel Redding übernahm den Bass. Am 13. Oktober 1966 tritt die Band erstmals vor Gästen auf, in Frankreich, in Euvreux.

Nach 1970 und dem frühen Tod des Visionärs und Virtuosen Jimi Hendrix, hat sich folgendes Bild verfestigt: Die Experience bestand aus einem Rockstar und zwei braven Rhythmusknechten. Anständige Handwerker bereiteten die Fundamente für die Kunst. Verlässlich und exakt verrichteten Noel Redding und Mitch Mitchell ihre Dienste.

Unermüdlich haben Biografen an dem Bild gerüttelt. Nachrufe haben Noel Reddings Basskünste gefeiert, als er vor fünf Jahren an seiner zerstörten Leber starb. Am Mittwoch starb Mitch Mitchell, es ist noch nicht klar, woran – und mit ihm die Experience. Aber das Bild wirkt weiterhin verzerrt und schief.

Als John „Mitch“ Mitchell zur Experience hinzu stößt, ist er zwar erst 19 Jahre alt und eine schmächtige Erscheinung. Aber er war wegen übertriebener Ambitionen schon von Georgie Fame bei den Blue Flames gefeuert worden. Mitchell orientierte sich nie ausschließlich an Beat- und Rockmusik. Als Vorbild dient ihm Elvin Jones, der bei John Coltrane spielte und den Hang entwickelt hatte, Metren weniger durchzuprügeln als mit hohem Aufwand zu umspielen.

Damit steht auch Mitchell seinem Arbeitgeber durchaus nahe. Bereits frühe Mitschnitte der BBC beweisen die Verwandtschaft zweier aufblühender Musiker. Die Aufnahmen aus Monterey, Paris und Skandinavien, die drei Studioalben der Experience belegen nicht nur Hendrix’ Größe, sondern auch Mitch Mitchells frühe Meisterschaft.

Im Frühjahr 1968 trübt sich das Verhältnis zwischen Hendrix und seinem Bassisten. Hendrix mäkelt, Redding fühlt sich nicht gebührend gewürdigt. Eine Studiositzung in New York wird ohne Redding abgehalten, mit Jack Casady von Jefferson Airplane.

Mitchell ist im Sommer 1969 noch dabei, in Woodstock, in der Band, die Hendrix „Gypsy, Sun & Rainbows“ nennt. In Harlem treten sie Anfang September 1969 letztmals auf. Während des Benefizkonzerts für mittellose Schwarze, wird der weiße Schlagzeuger mit Nahrungsmitteln bombardiert.

Mitch Mitchell schlägt sich anschließend so durch. Seine Verträge, die er nach dem Londoner Münzwurf unterschreiben durfte, sehen keine großzügigen Zahlungen vor. Er trommelt anschließend für Eric Clapton und Jack Bruce, gewissermaßen als Ersatz für Ginger Baker. Er spielt für die Rolling Stones, John Lennon, Muddy Waters und Jeff Beck.

Als er am Mittwoch dieser Woche leblos in einem Hotelzimmer in Oregon gefunden wird, ist Mitchell unterwegs mit der „Experience Hendrix Tour“, wo die Musik von damals für Nostalgiker und Nachgeborene aufbereitet wird. Er war der Zeitzeuge. Mitch Mitchell wurde 61 Jahre alt.