Gruselliteratur

Frankenstein im Kinderzimmer – ein Pop-up-Comicbuch

Mary Shelleys Frankenstein soll als Pop-up-Buch nun auch Kinder das Fürchten lehren. Aber ist diese Literatur für Kinder geeignet?

Äußerst romantisch, geradezu verzaubert, fand die 16-jährige Engländerin Mary Godwin den deutschen Rhein, den sie auf ihrer ersten Europareise mit ihrem späteren Ehemann Percy Shelley im Jahr 1814 kennen lernte. Die Deutschen selbst gefielen ihr weitaus weniger, Barbaren, die sich in aller Öffentlichkeit küssten.

Frankenstein ist angelsächsische Schullektüre

Bei ihrem Aufenthalt im hessischen Rheinhafen Gernsheim hatte sie von der nahe gelegenen Burg Frankenstein bei Darmstadt gehört. Dieser Name muss ihr gefallen haben. So ist es kein Zufall, dass wesentliche Teile ihres phantastischen Gruselromans "Frankenstein oder der moderne Prometheus" (1818) vor deutscher Kulisse spielen.


Die Geschichte wurde zum Klassiker. Der junge Viktor Frankenstein reist von seiner Heimat Genf nach Ingolstadt, um an der dortigen Universität (die gab es bis 1800 tatsächlich) Studien zu treiben. Schon bald wird er zum bedeutenden Wissenschaftler, dem es gelingt, mit Hilfe des kurz zuvor (1780) entwickelten Galvanismus aus Leichenteilen einen künstlichen Menschen herzustellen.

Er vernachlässigt dabei dessen Aussehen, so dass aus dem zunächst harmlosen Wesen der Kreatur aufgrund der Verachtung, die diesem wegen seiner Hässlichkeit entgegen schlägt, ein böses Monster wird, das einen Mord begeht. Eignet sich diese Horror-Story für Kinder? Jedenfalls ist Shelleys "Gothic Novel" wesentlicher Bestandteil angelsächsischer Schullektüre.

Auch Moby Dick gibt es als Pop-up-Comicbuch

Ein Versuch, auch Grundschulkindern diesen Klassiker der Weltliteratur nahe zu bringen, ist das Pop-up-Comicbuch des Knesebeck Verlags. Es stammt von Sam Ita, der schon "20 000 Meilen unter dem Meer" und "Moby Dick" in ähnlicher Form verarbeitete.

Gleich auf der ersten Seite entfaltet sich eine düstere Burg zu Frankensteins Monster in 3-D. Wie nicht anders zu erwarten, halten sich jedoch die Horrorelemente kindgemäß in Grenzen. Die Story, wie sie in diesem Buch in Sprechblasen und kurzen Kommentaren erzählt wird, ist episodenhaft und so, für sich genommen, nicht verständlich.

Sie bedarf einer vorherigen Erläuterung, etwa in der Form unserer einleitenden Zusammenfassung. Einen solchen Hinweis auf Shelley und ihr Werk hätte man sich gewünscht.