Chanson

Marianne Rosenberg besingt "verliebte Jungs"

Marianne Rosenberg ist mehr als "Er gehört zu mir". Auf ihrer neuen CD "Regenrhythmus" stellt sie 13 eigene Songs vor.

Viermal war sie schon im Vorausscheid am Eurovision Song Contest gescheitert. „Er gehört zu mir“ wurde kein Lied für Deutschland, dafür wurde es zu einer Hymne. Für die schlagermüden Schlagerfreunde und die Schwulen, für die ausweglose Liebe und das richtige im falschen Leben. Marianne Rosenberg hatte zuvor, mit 14, „Mr. Paul McCartney“ aufgenommen und danach den Phillysound ins Deutsche übertragen.

Sie war sich für nichts zu schade, nicht für Dieter Bohlen, Extrabreit und Kirmestechno von U 96. Aber irgendwann wurde es der Berlinerin zu bunt. Sie nahm ihr Werk neu auf mit anständigen Musikern und Tonmeistern, sie sang Chansons. Es gab also ein Leben nach dem Schlager, sogar jenseits von Erscheinungen wie Rosenstolz und Silbermond.

Die Liebe unter Männern

Nun wagt sich Marianne Rosenberg wieder hervor mit 13 selbstverfassten Lieder und dem Album „Regenrhythmus“. Es beginnt mit einem röchelnden Didgeridoo, das sonst von filzhaarigen Aussteigern geblasen wird. Bei Marianne Rosenberg klingt es geheimnisvoll, sie singt: „Es gibt viele Arten von Mauern/ Auch im Herz/ Bilde dir bloß nicht ein/ Ich reime hier auf Schmerz.“ Die Stachel aus dem Schlager sitzen tief. „Verliebte Jungs“ heißt eines ihrer Lieder wie der alte Stimmungshit von Purple Schulz. Es ist aber ein einfühlsames Stück über die Liebe unter Männern, ein verwegener Reggae, der auf Deutsch beginnt und englisch endet. Visionäre Tanzmusik wechselt zu nachdenklichem Triphop.

Und durch diese malerischen Klanglandschaften weht der gläserne Gesang der letzten deutschen Diva. Treiben Zeilen wie „der Traum ist aus“ von Rio Reiser, einem ewigen Sorgenkind des Schlagers, einem Seelenbruder Marianne Rosenbergs.

Marianne Rosenberg: Regenrhythmus (Edel)