Neuverfilmung

"Kampf der Titanen" ist alter Plunder in 3D

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander

Schon das Original war kein Meilenstein. Die jetzt startende Neuverfilmung von "Kampf der Titanen" (u. a. mit "Avatar"-Star Sam Worthington) ist leider genauso seelenlos und präsentiert uns einmal mehr das ganze Arsenal der aktuellen Tricktechnologie. Eigentlich gibt es nur eine gute Szene.

Gleich zu Beginn werden die Götter vom Sockel geschubst. Muss ja so sein. Das bringt die Herren und Damen da oben auf dem Olymp zum Toben und es kommt zum Kampf Götter gegen Menschen. Aber dieser Bildersturm ist auch ein schönes Sinnbild fürs Kino: Immer wieder in der Filmgeschichte werden die Ikonen von früher entweiht, um Platz zu schaffen für Neues. Das ist das Urprinzip des Remakes: Stürzt die alten Götzen und tut so, als habe es sie nie gegeben.

Bei "Kampf der Titanen" ist das ähnlich. Nicht, dass das Original von 1981 ein Meilenstein gewesen wäre. Im Gegenteil, auch ihm haftete schon ein hoher Trash-Faktor an. Ging es doch nur darum, den "Star Wars"-Erfolg jener Jahre mutig von der Science-fiction auf den Sandalenfilm zu übertragen.

Man setzte etliche Altstars auf den Olymp, garnierte damals angesagte Stop-Motion-Tricks drumherum. Und als Sahnehäubchen setzte man noch eine mechanische Eule obendrauf, die nicht von ungefähr an R2 D2 erinnerte, das Ganze aber restlos zum Kinderkram degradierte.

Die Neuversion ist so seelenlos wie die alte, präsentiert uns aber einmal mehr das ganze Arsenal der derzeitigen Tricktechnologie. Ein Effekt jagt den anderen: Medusen, Pegasusse, Riesenskorpione, Monsterkraken. Das alles aber, wie so oft in jüngster Zeit, so schnell geschnitten, dass die Action eigentlich nur noch Behauptung ist.

Man sieht, dass da was, aber nicht, was da eigentlich passiert. Und während die Kunst des Kameramanns jahrzehntelang darin bestand, Stars so schön wie möglich auszuleuchten, geht es momentan eher darum, sie in finsterste Bildwelten zu schicken.

Zwischendurch versuchen ein paar veritable Stars wie Liam Neeson (als Zeus), Ralph Fiennes (als Hades) und die derzeitige Blockbuster-Allzweckwaffe Sam Worthington (als Perseus) gute Miene zum öden Spiel zu machen. Allerdings hat Regisseur Louis Leterrier bei seinem Remake die Damen vergessen. Anno 1981 zählten auch Diven wie Ursula Andress, Maggie Smith und Claire Bloom zur Götterspeise. Jetzt werden die weiblichen Parts nur aus der dritten Garde bestückt. Ein reiner Jungensfilm halt.

Dass die 3-D-Effekte nicht besonders ausgeklügelt sind, kann man dem Film allerdings nicht vorwerfen. Er wurde ja noch zweidimensional gedreht, erst im Nachhinein entschlossen sich die Produzenten, auch auf diesen Zug aufzuspringen. Dass die "Titanen" am US-Startwochenende sensationelle 61 Millionen Dollar eingespielt haben, könnte indes zur Folge haben, dass jetzt weitere herkömmliche 2D-Filme noch schnell hochgetunt werden.

Eine kleine Szene immerhin ist wirklich hübsch. Da sucht Perseus in einem Waffenarsenal nach brauchbarem Kampfgerät - und zieht die mechanische Eule aus dem Originalfilm aus der Truhe. "Was ist das?", fragt er verwundert. "Lass liegen", lautet die Antwort. So geht es neumodischen Spielereien: Sie sind morgen schon der Plunder von gestern. Auch "Kampf der Titanen '10" wird dieses Los ereilen.