Unesco

Gyros und Pizza sind endlich Menschenrecht

Das Weltkulturerbe-Komitee der Unesco setzt nach der französischen Küche auch die Kochkunst des Mittelmeeres auf seine Liste.

Die Liste der Traditionen und Bräuche, die von der Unesco als sogenannte immaterielle Kulturgüter besondere Wertschätzung erhalten, wächst schnell. Auf der noch bis zum 19. November dauernden Konferenz der Weltkulturorganisation in Kenias Hauptstadt Nairobi steht jetzt nur noch die Entscheidung aus, ob auch Khachkars, armenische Kreuzstelen, als Kulturgut gelten sollen.

Bislang haben es bereits 46 der beantragten Volksbräuche und Traditionen aus Europa, Asien und Lateinamerika auf die Liste geschafft – darunter der Flamenco, die Pekingoper und iranische Teppichknüpfkunst sowie das mehrgängige französische Menü und – die Küche der Mittelmeerländer. Wie sehr Gyros und Döner, Pizza und Pasta verwandt sind, hat beizeiten der große französische Historiker Fernand Braudel (1902-1985) in seiner berühmten Mittelmeertrilogie begründet. Meer, Geografie und Klima sind eben wirkungsmächtiger als Dynastien oder Religionen.

Die Springprozession im luxemburgischen Echternach, der 600 Jahre alte Karneval im belgischen Alost und rituelle Tänze aus Peru haben nun ebenso eine besondere Unesco-Wertschätzung wie das mongolische Naadamm-Festival.

Die Unesco hatte 2003 erstmals beschlossen, auch Volksbräuche und Traditionen als Kulturgüter anzuerkennen. Allerdings ist die Entscheidung über immaterielle Kulturgüter noch nicht von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert worden. Mit der Eintragung auf der Kulturliste sollen die oft Jahrhunderte alten und noch immer in einem Land oder bei einer ethnischen Minderheit lebendigen, oft nur mündlich überlieferten Sitten eine besondere Wertschätzung erhalten. Mit der Aufnahme von vier Traditionen als „besonders schützenswerte“ Teile des Kulturerbes berücksichtigten die Unesco- Vertreter an den vergangenen Tagen zugleich, dass Modernisierung, Landflucht oder Industrialisierung häufig traditionelle Handwerkstechniken oder kulturelle Traditionen verdrängen und in Vergessenheit geraten lassen.