Academy Awards

"The King's Speech" ist der erwartete Oscar-König

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Der Film über den stotternden englischen König George VI. ist der große Gewinner der Oscar-Verleihung. Vier der wichtigsten Trophäen holte "The King's Speech" - was nicht überraschend kam. Unerwartetes gab es ohnehin kaum auf der Verleihung. Sogar Opossum Heidi hatte manches schon vorausgesehen.

Der König stammelt – und sein Darsteller auch: Als Colin Firth nach Wochen des Favoriten-Daseins endlich mit dem Oscar in der Hand auf der Bühne steht, schleicht sich die Rührung in seine Rede. Kein Sprachtrainer wie in „The King's Speech“ gab ihm im Kodak Theatre in Hollywood den Rhythmus vor, sondern „heftige Tanz- Bewegungen im Unterleib“, wie Firth bekannte. Und so ging der 50-jährige Brite nach kurzem Dank mit brechender Stimme ab. Doch den Triumph des Films konnte das nicht trüben: Mit vier wichtigen Oscars wurde die britische Produktion „The King's Speech“ über das Stottern des englischen Königs George VI. zum Regenten der Oscar-Nacht 2011. Der zwölffach nominierte feinfühlig erzählte Film bekam Preise als bester Film des Jahres, für die beste Regie (Tom Hooper), den besten Hauptdarsteller (Firth) und das beste Original-Drehbuch.

Der Oscar für die beste Hauptdarstellerin ging an die ebenfalls favorisierte Natalie Portman als wahnsinnig werdende Tänzerin in „Black Swan“. Hochschwanger reagierte die 29-Jährige mit Tränen auf den Goldjungen in ihrer Hand. Diese Rolle sei die „wichtigste ihres Lebens“, sagte Portman, und bedankte sich mit zittriger Stimme bei Darren Aronofsky, dem Regisseur des Ballett-Thrillers.

Pure Freude verströmte der 94-jährige, sehr gebrechliche Kirk Douglas, der einen Preis überreichen durfte: Gebeutelt vom Alter und einem Schlaganfall genoss er sichtlich seinen Auftritt und trieb Scherze mit seinem Gehstock.

Doch das waren sie auch schon, die magischen Momente der Oscar-Nacht. Streng am kleinsten gemeinsamen Nenner der vielen Millionen Zuschauer weltweit orientiert, führten die Schauspieler Anne Hathaway und James Franco durch eine nette Show ohne Ecken und Kanten. Hathaway glänzte vor allem durch viele Kleider- und Frisurenwechsel als Style-Queen, Franco scheute selbst vor einem altmodischen Klamauk-Auftritt in Frauenkleidern mit Marilyn-Perücke nicht zurück. Keine rhetorischen Spitzen, keine politischen Anspielungen - Zeichen der Zeit suchte man vergebens: Nur Charles Ferguson, für den Dokumentarfilm „Inside Job“ über die Finanzkrise ausgezeichnet, wagte einen politischen Seitenhieb. Er kritisierte, „dass auch drei Jahre nach der Krise, ausgelöst durch massiven Betrug, noch kein einziger der verantwortlichen Banken-Chefs im Gefängnis sitzt“.

Seinen zweiten Oscar bei seiner 20. Nominierung gewann Randy Newman. Die Academy-Mitglieder zogen seinen Filmsong „We Belong Together“ aus „Toy Story 3“ allen anderen vor. Die deutschen Hoffnungen auf einen Oscar blieben hingegen unerfüllt. Der Wahlberliner Jakob Schuh und Max Lang, die beiden deutschen Regisseure des animierten Kurzfilms „Der Grüffelo“, gingen ebenso leer aus wie Komponist Hans Zimmer („Inception“), der nach 1994 auf seinen zweiten Oscar spekuliert hatte. Für die besten Spezialeffekte wurden die Computer-Spezialisten von „Inception“ ausgezeichnet – und nicht der Deutsche Stephan Trojanski, der an Clint Eastwoods Drama „Hereafter“ beteiligt war.

Ohne Trophäe kehren auch die Brüder Joel und Ethan Coen von der 83. Oscar-Gala zurück. Ihr Western „True Grit“ war in zehn Kategorien nominiert, gewann aber in keiner. David Finchers „The Social Network“ – bei den Golden Globes vor einigen Wochen noch als bestes Drama ausgezeichnet – erhielt immerhin drei Oscars in den Kategorien „Bester Schnitt“, „Beste Filmmusik“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“.

Die beiden Nebendarsteller-Oscars gingen an Melissa Leo und Christian Bale aus David O. Russells Boxfilm „The Fighter“. Zum besten animierten Spielfilm wurde „Toy Story 3“ gekürt. Die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film ging an die dänische Produktion „In a Better World“. Zum besten Dokumentarfilm wurde „Inside Job“ von Charles Ferguson und Audrey Marrs gewählt. Der Film über die Finanzkrise setzte sich unter anderem gegen „Exit through the Gift Shop“ des Graffiti-Künstlers Banksy durch.

Heidi lag teilweise richtig

Ein „deutscher Star“ wurde aber immerhin bemerkt: Heidi, das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo, hat sich als Oscar-Orakel eine Belohnung verdient. Die Beutelratte hatte im Vorfeld als Nachfolgerin von Krake Paul für einen amerikanischen TV-Sender die Gewinner per Pfotenzeig getippt: Bei beiden Hauptdarstellern lag sie richtig. Unrecht hatte der derzeit wohl angesagteste deutsche Star in den USA aber beim besten Film. Die schielende Opossum-Dame hatte einen Sieg für das Bergsteigerdrama „127 Hours“ vorhergesagt. Heidi war in der vergangenen Woche im US-Fernsehen als Oscar-Orakel aufgetreten. In der „Jimmy Kimmel Live!“-Show des Senders ABC wurde an drei Abenden das Opossum gezeigt, wie es seine Pfote vor verschiedenenSchauspielern und den nominierten Filmen hob. Dies wurde jeweils als Vorhersage gewertet. Die amerikanischen Fernsehmacher hatten extra ein Kamerateam nach Leipzig geschickt, um Material für die Show zu drehen.

( dpa/dapd/sh )