Pop

Imelda May spielt Rockabilly für Kleinkunstfreunde

Die Irin wirkt wie ein Geschöpf von Tarantino. Und: M. Walking On The Water und ihr "Short-Distance-Psycho-Folk" sind wieder da.

Man hat immer wieder Angst um Musiker wie die Berliner Baseballs und Imelda May aus Dublin. Dass die echten Rockabillies, diese einschüchternden Männer mit den streng gefetteten Frisuren und den bunten Tätowierungen, den Stiefeln und den Ketten an den Geldbörsen, ihnen die Platten um die Ohren hauen. „Mayhem“ (Decca) von Imelda May ist dafür wie geschaffen.

„I’m a sneaky freak“, singt sie, ein hinterlistiger Außenseiter, und das trifft es auch: Wie sie sich einschleicht in die Subkultur der Fünfzigerjahre-Fetischisten, wie sie faucht und wie von Quentin Tarantino eingekleidet und gesteuert auf der Bühne steht. Dekorativ hinter dem Kohlemikrofon, vor der Musikbox, zwischen schäbigen Standbässen und weißen Gretschgitarren.

36 Jahre ist die Irin alt, die eigentlich Imelda Clabby heißt und bekannt wurde durch Fischstäbchen-Werbung und Burlesque-Auftritte in Dublins Temple Bar. Sie trägt eine Olympiarolle auf dem Kopf. Sie singt „Tainted Love“. Sie tut so, als hätte es notwendige Updates wie den Punkabilly und den Psychobilly nie gegeben. Als wären die fünfziger Jahre eine Attraktion des Karnevals. Aber dafür ist Wanda Jackson wieder da, das 73 Jahre alte Original; die Rockbillies liegen ihr zu Füßen – was die Männer milde stimmt und davon abhält, handgreiflich zu werden. (einer von fünf Punkten)

M. Walking On The Water: Flowers For The Departed

Es geht in die Zeit zurück, als es noch keine großen deutschen Bands wie Rammstein oder Scooter gab, dafür aber zwei deutsche Länder. Deutsche Musiker bemühten sich, nicht allzu deutsch zu musizieren. In der Popprovinz um Krefeld wirkten in den Achtzigern zwei beispielhafte Bands: Blind Guardian mit ihrem Herr-der-Ringe-Metal und M. Walking On The Water mit Akkordeon, Standbass, Fidel und ihrem „Short-Distance-Psycho-Folk“.

Ein früher Song hieß „Flowers Of The Gone“, nun heißt ihr ersten Album seit den neunziger Jahren „Flowers For The Departed“ (Fuego). Und da sind sie wieder: Songs auf Englisch, die sich anhören wie Wort für Wort mit dem Translator übersetzt, „Dust In The Suitcase“ oder „Bury Me Upright“, in Dreier- oder Sechsertakten nach dem Vorbild der Musette aber kurios beschleunigt. Immer noch verrät ihre Musik, wo her sie kamen: Markus Maria Jansen aus Hamburg und Michael Pelzer aus Kleve trafen sich in Krefeld in der Kleinkunstszene zwischen Straßenmusik und Off-Theater. Ihre Band gewann den Ruhr-Rock-Wettbewerb, war unterwegs fürs Goethe-Institut und nahm bemerkenswerte Platten auf. Eine CD wurde mit Holzklotz ausgeliefert, eine weitere mit sperrigen Versionen britischen Bombastrocks von Pink Floyd bis Genesis.

Vor allem aber führten sie ihre Musik dorthin, wo das Französische tatsächlich Spuren hinterlassen hat im Pop, nach New Orleans, zum Cajun der Kreolen. Und wieder zurück. Sie nahmen eine Platte in Louisiana auf, die „Le Louisianne“ hieß. Dann überließen sie den deutschen Pop sich selbst, und jetzt erinnern sie wieder daran, dass dieser deutsche Pop auch seine Grenzen hat. (drei von fünf Punkten)