Southern Rock

Gregg Allmans Heimweg führt in die Sümpfe

Er ist ein Überlebender der legendären Allman Brothers Band und fährt immer weiter. Dagegen verliert sich Robert Miles in Klangblasen.

Dass der Southern Rock, die stampfende und röhrende Musik der Südstaaten Amerikas, ein Unfall war, darauf waren seine Vertreter immer stolz. Vor 40 Jahren raste Duane Allman mit seinem Motorrad gegen einen Baum und starb. Ein Jahr danach folgte ihm Berry Oakley, sein Bassist, in Georgia an derselben Stelle. Übrig blieb die Allman Brothers Bands mit Dicky Betts an der Gitarre und Gregg Allman an den Tasten.

Unermüdlich spielen sie seither ihr schwüles „Whipping Post“, den trotzigen Blues- und Countryrock des Südens gegen die Musik des hochnäsigen, selbstgerechten Nordens. Als Neil Young, der kalifornische Kanadier, die Rotnacken in „Southern Man“ verhöhnte, rächten Lynyrd Skynyrd sich mit „Sweet Home Alabama“. Lynyrd Skynyrd fuhren ebenfalls Motorrad, ihre Bandtragödien fanden allerdings in Flugzeugen und Autos statt.

Gregg Allman hat nicht nur die rasende Moderne, sondern auch die Drogen überlebt und ein Ehe mit der Sängerin Cher. Im Herzen hütet er die Sehnsucht nach den Sümpfen, nach den schlichten Freuden eines alten Mannes auf dem Heimweg. Seine späten Soloalben trugen bereits Titel wie „Searching For Simplicity“, nun geht es um die Reinheit des „Low Country Blues“ (Rounder). Um drei Akkorde und zwölf Takte. Dr. John sitzt am Klavier, T-Bone Burnett sorgt dafür, dass sich alles anhört, als wäre das Gaslicht aus gewesen, die Gitarrensaiten rostig, Schlamm zwischen den Tasten und Moos auf den Trommelfellen. Die Musik ereignet sich, doch niemand kommt zu Schaden. (drei von fünf Punkten)

Robert Miles: Th1rt3en

Musik ist der Versuch, den Lärm zu ordnen. Weil der Krach zum Chaos strebt, wird immer wieder progressive Popmusik gespielt, die aus der Form läuft wie der süße Brei im Märchen. 15 Jahre ist es her, dass Robert Miles mit „Children“ auffiel, einem luftigen Stück, dass auch die aufgeregten Strandschwärmer von Ibiza beruhigte. Um die Musik zu kategorisieren, wurde sie der Sparte Dreamhouse zugeschlagen, Robert Miles wurde zum geistigen Vater einer Spielart.

1997 lieferte er „Freedom“. Er begann, sich mit den überschaubaren Kompositionen, mit der schieren Schönheit und sich selbst zu langweilen. Es gab ein Album, das „Organik“ hieß und den entrückten Esoteriker verriet. Dann spielte er mit Trilok Gurtu, einem indischstämmigen Schlagwerker, aber auch mit dem spirituellen Dub-Meister Bill Laswell, nebenbei mixte er eigene Versionen von Mike Oldfields Werken.

Auf dem Album „Th1irt3en“ (Salt) machen seine Klänge, Töne und Geräusche, was sie wollen. Wie die Ziffern und die Buchstaben im Albumtitel. Robert Fripp spielt rückwärts aufgenommene Gitarren ein wie seit den frühen siebziger Jahren bei King Crimson. Jüngere Elektromusiker wie John Thome oder Mike Patto drehen willkürlich an den Konsolen.

Robert Miles ist heute mehr als nur ein Mann, der einmal Roberto Concina hieß, als junger DJ in Italien seine Discogäste mit Entspannungsmusik quälte, von Madonna unterstützt wurde und 14 Millionen Platten verkaufte. Robert Miles ist jetzt ein Künstler, der den Klang wieder befreien will. Seine unaufgeräumten Stücke heißen „Voices From A Submerged Sea“, „Orchid Miracle“ oder einfach nur „Nonsense“. Es ist Prog- und Krautrock, Fusionjazz und Kitsch. „Vor allem aber Blues“, beteuert Robert Miles. Zu hören ist vom Blues natürlich nichts. (zwei von fünf Punkten)