Abgang

Gründerin des Berlin Verlags verlässt Unternehmen

Enthusiastisch waren die Dankesworte an Elisabeth Ruge von Nigel Newton, Chef der Bloomsbury Velagsgruppe. Doch die Zukunftspläne des Verlags dürften die ehemalige Geschäftsführerin wenig freuen.

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Es begann mit einigem Aplomb vor gut 17 Jahren, es endet mit einer kurzen Meldung. Zum 15. März wird Elisabeth Ruge, 1994 Mitbegründerin und seit 2005 Verlegerische Geschäftsführerin des Berlin Verlags, das Unternehmen verlassen. In gegenseitigem Einvernehmen, begleitet von geradezu enthusiastischen Worten über Ruges Verlegerleistung, formuliert von Nigel Newton, dem Gründer und Chef der in London ansässigen Bloomsbury-Verlagsgruppe, dem der Berlin Verlag seit 2005 mehrheitlich gehört.

So enthusiastisch bedankte sich Newton bei Ruge für die Zusammenarbeit, dass man glatt hätte vergessen können, dass er gerade erst eine Neustrukturierung seines global aktiven Unternehmens angekündigt hatte, deren Umsetzung Elisabeth Ruge einen Verbleib in ihrer Position nahezu unmöglich gemacht hätte. Durch eine verstärkte strategische Konzentration soll die börsennotierte und durch die Entdeckung und Vermarktung von „Harry Potter“ weltweit gewachsene Gruppe fit gemacht werden für die Herausforderungen der digitalen Zukunft, zielgruppenorientierter werden, konsequenter Rechte erwerben und über alle Kontinente, in allen verlegerischen Kanälen nutzen. Auch das waren schöne Worte, und die Aktionäre haben sie sicher gern gelesen. Die Bloomsbury-Verleger außerhalb von London, Elisabeth Ruge allen voran, wohl eher weniger. Denn die wirtschaftslyrischen Ankündigungen ließen sich eben auch verstehen als Versuch, den Gestaltungsspielraum angeschlossener Verlagshäuser wie des Berlin Verlags zu minimieren, sie gleichzuschalten und deutlich stärker als bisher hauptsächlich als Endglieder einer von London geknüpften Verwertungskette von Rechten an literarischen Werken zu begreifen.

Zur literarischen Umverpackstation, zum bloßen Zweitverwertungsunternehmen von Bloomsbury-Büchern aber wollte Ruge ihr Haus, immerhin tatsächlich die bedeutendste, verlegerisch interessanteste deutsche Verlagsneugründung der vergangenen 40 Jahre, wohl nicht verkommen lassen. Dafür waren sie und ihr damaliger Mann, der frühere S. Fischer-Cheflektor Arnulf Conradi 1994 nicht angetreten. Das Programm wuchs, aus dem kleinen Verlag wurde ein mittlerer. Da ein solcher sich aber ohne Taschenbuchlinie nicht finanzieren lässt, flüchteten sich Conradi und Ruge 1998 unter das Dach des Branchenriesen Random House, kauften sich 2003 wieder heraus und hofften, von 2004 an bei Bloomsbury freier in den Entscheidungen zu sein.

Ein Trugschluss. Vielleicht hätte es anders werden können, wenn Bloomsbury einen neuen Harry Potter entdeckt hätte, die Wirtschaftskrise nicht gewesen wäre, oder die Berlin-Verlagsbilanzen der vergangenen Jahre anders ausgefallen wären. Vielleicht hat sich Elisabeth Ruge auch gedacht, wenn’s noch mal schön ist, muss man gehen. Der Berlin Verlag ist nämlich auf den Shortlists gleich aller drei Kategorien des Preises der Leipziger Buchmesse vertreten. Und er steht in Leipzig trotzdem vor einem Scherbenhaufen. Denn es wird ihn so nicht mehr geben. Elisabeth Ruge scheidet zwei Tage vor der Preisverleihung aus. Elmar Krekeler