Hollywood

Royals & Revolverhelden – Shootout bei den Oscars

"The King's Speech" ist mit zwölf Nominierungen Oscar-Favorit. Doch bei der Verleihung am 27. Februar sind Überraschungen möglich.

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Colin Firth und Natalie Portman sollten ihre Dankesrede parat haben. Die goldüberzogene Trophäe in der Sparte „Beste Hauptdarsteller“ ist ihnen bei der 83. Oscar-Verleihung in der Nacht zum 28. Februar so gut wie sicher, so die einstimmige Prognose in Hollywood. Die 29 Jahre alte Portman und ihr 50-jähriger britischer Kollege räumten bereits bei den Golden Globes und zahlreichen anderen Filmwettkämpfen die Spitzenpreise ab. Sie als getriebene Balletttänzerin in „Black Swan“, er als stotternder britischer Monarch in „The King’s Speech“.

Die Mitstreiter des Briten geben sich schon geschlagen. Firth werde mit seiner „wunderbaren Darbietung“ sicher den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen, prophezeite Jeff Bridges. Der Vorjahresgewinner für „Crazy Heart“ ist diesmal für seinen Auftritt als versoffener Revolverheld in dem Western „True Grit“ nominiert. Mit im Rennen sind auch der spanische Superstar Javier Bardem als todkranker Vater in „Biutiful“, James Franco als eingeklemmter Kletterer in dem Überlebensdrama „127 Hours“ und Jesse Eisenberg als skrupelloser Facebook-Gründer in „The Social Network“.

Auch Portmans Konkurrentinnen haben sich schwer ins Zeug gelegt. Nicole Kidman spielt in „Rabbit Hole“ eine verzweifelte Mutter, die um ihr Kind trauert. Jennifer Lawrence überzeugt in dem düsteren Familiendrama „Winter’s Bone“ als mutige junge Frau auf der Suche nach dem verschwundenen Vater. Michelle Williams kämpft in „Blue Valentine“ gegen das Scheitern ihrer Ehe. Nur Annette Bening bringt als lesbische Mutter in dem Beziehungsfilm „The Kids Are All Right“ etwas Leichtigkeit in das Rennen um den Darsteller-Oscar.

Rein rechnerisch thront das Historiendrama „The King’s Speech“ mit zwölf Nominierungen an der Spitze, gefolgt von dem düsteren „True Grit“-Westernremake der Coen-Brüder mit zehn Gewinnchancen. David Finchers „The Social Network“ holte acht Anwartschaften, gleichauf mit Christopher Nolans „Inception“, einem Thriller über Träume. Der Boxfilm „The Fighter“ könnte sieben Oscars gewinnen, das blutige Survival-Drama „127 Hours“ ist sechsfach nominiert.

Ein spannendes Duell tragen die Regisseure Tom Hooper („The King’s Speech“) und David Fincher („The Social Network“) aus. Mit seinem Facebook-Film sahnte der Amerikaner bei den Golden Globes ab, dann gewann der Brite mit seinem königlichen Historiendrama den Top-Preis des Verbands der US-Regisseure (DGA). Seit 1948 ist es nur sechs DGA-Siegern nicht geglückt, im selben Jahr auch den Oscar für die beste Regiearbeit zu holen. Bei den britischen Bafta-Preisen war dann wieder Fincher an der Reihe, die Dankesrede zu halten.

Deutschland geht in diesem Jahr „entspannter“ in den Oscar-Wettkampf. Sorgte im vergangenen Jahr „Das weiße Band“ von Michael Haneke in der Sparte „Nicht-englischsprachiger Film“ für – am Ende enttäuschte – Spannung, so blieb diesmal der deutsche Kandidat „Die Fremde“ schon in der Vorrunde auf der Strecke. Deutschland, Österreich und Studio Babelsberg jubelten, als Christoph Waltz 2010 mit „Inglourious Basterds“ den Nebenrollen-Oscar holte.

Das deutsche Filmmusik-Genie Hans Zimmer war im vorigen Jahr mit „Sherlock Holmes“ im Rennen. Der gebürtige Frankfurter verlor, doch zum Trost gab es in diesem Jahr die neunte Nominierung. Der Oscar- Preisträger (1995, „Der König der Löwen“) könnte mit der Musik für „Inception“ zum zweiten Mal Gold holen. Zudem schafften es zwei Kurzfilm-Regisseure aus Ludwigsburg auf die Liste der Preisanwärter. Max Lang und Jakob Schuh sind mit „The Gruffalo“ („Der Grüffelo“) in der Kategorie „animierter Kurzfilm“ nominiert.

Die Oscar-Moderation wurde einer drastischen Verjüngungskur unterzogen. Nach Steve Martin (64) und Alec Baldwin (52) werden diesmal Anne Hathaway (28, „Love and other Drugs“) und James Franco (32, „127 Hours“) die Gala im Kodak Theatre präsentieren. In einem Scherz-Werbespot verspricht das Duo wilde Showeinlagen und Tänze, bei denen „Zehennägel brechen werden“.

Doch es sind die ungeplanten Auftritte und die spontanen Ausbrüche der fassungslosen Sieger, von denen die Oscar-Show lebt. Als Helena Bonham Carter in London den Bafta-Preis als beste Nebendarstellerin („The King’s Speech“) in Empfang nahm, konnte es sich die Queen Mum auf der Bühne nicht verkneifen: „Mein Unterrock hat sich verklemmt“, grinste Carter und zupfte an ihrer Robe. „Das ist kein guter Moment dafür“.

Bei den Golden Globes lief die Britin mit einem rosa und einemgrünen Schuh in einem bunten Outfit über den Roten Teppich. Und vor der Oscar-Show gab die 44-Jährige die ominöse Kleiderwarnung ab: „Wahrscheinlich wird es eine Katastrophe, aber ich tue es trotzdem.“