Der Oscar-Favorit

Colin Firth, zum dritten Mal ein Stotterer

Der Brite Colin Firth ("The King's Speech") gilt als größter Favorit für den Schauspieler-Oscar. Ein Gespräch über die Queen, das Stottern und die Freundschaft.

Für seine Darstellung in dem Drama „A Single Man“ war Colin Firth 2010 für einen Oscar nominiert. Auch in diesem Jahr kann sich der Brite Hoffnung auf den Preis machen, für seine Rolle in dem insgesamt zwölf Mal nominierten Historienfilm „A King’s Speech“ von Regisseur Tom Hooper. Firth, der hierfür unter anderem bereits einen Golden Globe erhielt, spielt den 1936 gekrönten englischen König George VI., der enorm unter seinem Stottern leidet und für den jeder öffentliche Auftritt eine Qual ist. In seiner Not wendet sich der Royal, der Vater der heutigen Königin, an den kauzigen Sprachtherapeuten Lionel Logue.

Morgenpost Online : Mr. Firth, werden Sie sich die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton anschauen?

Colin Firth : Ich weiß es nicht. Ich bin nicht wirklich jemand, der das verfolgt, was die königliche Familie tut. Es gibt Menschen, die davon fasziniert sind, ich konzentriere mich nicht darauf.

Morgenpost Online : Aber warum ist die königliche Familie so ein faszinierendes Filmthema?

Firth : Ich denke, ein Grund, warum so viele Autoren in allen Kulturen sich seit jeher Königshäusern angenommen haben ist, dass diese Konstellation ein Drama verstärkt. Wenn „Hamlet“ kein Prinz gewesen wäre, wäre es für uns nicht so dramatisch gewesen, ob er sich entscheidet, etwas zu tun, oder nicht. Wenn jemand von uns Probleme in seiner Ehe oder bei der Arbeit hat, ist das für uns monumental, aber es interessiert sonst keinen. Wenn so etwas innerhalb eines Königshauses passiert, betrifft es sofort jeden. Aber ich habe die Rolle nicht aus Interesse am Königtum angenommen, sondern weil es um Freundschaft und Kommunikation geht und die Hoffnung eines Mannes, vielleicht einem anderen helfen zu können.

Morgenpost Online : Haben Sie denn einen Brief von der Queen bekommen, in dem sie sich für den Film bedankt hat?

Firth : Nein. Es gibt Berichte, dass sie den Film gesehen hat.

Morgenpost Online : Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Firth : Weniger geschmeichelt als erleichtert und wirklich erfreut, wenn das wahr sein sollte. Wenn man eine Figur verkörpert, reagiert man immer sensibel auf Reaktionen von lebenden Verwandten. Wir haben Verwandte von Lionel Logue getroffen, die dem Film sehr positiv gegenüber standen. Das ist unglaublich erfreulich, weil es die Authentizität belegt und bedeutet, dass das, was wir gemacht haben, niemanden verletzte. Und davor hat man immer Angst. Ich war auch sehr empfindsam, wie Menschen auf den Film reagieren, die wirklich stottern. Das Thema kommt in Filmen nicht häufig vor, und wenn, dann oft in Komödien.

Morgenpost Online : Wie verändert Stottern eine Persönlichkeit?

Firth : Ich habe es natürlich nur durch die Figuren erlebt, die ich gespielt habe. Ich spiele zum dritten Mal einen Stotterer und bei keinem habe ich so viel gelernt wie in diesem Fall. Ich denke, es hemmt einen auf vielerlei Art, besonders wenn das Stottern so schlimm ist wie bei dieser Persönlichkeit. Es hat Auswirkungen auf die Identität, wie andere Leute dich sehen, und schließlich, wie man sich selber sieht. Ich bewundere den Mut von Menschen, die stottern. Das ist eine immense Herausforderung im Leben, sich da durchzukämpfen.

Morgenpost Online : Sind Sie selbst ein guter Redner in der Öffentlichkeit?

Firth : Nein. Und ich kenne sehr wenige Leute, denen das Spaß macht.

Morgenpost Online : Was würde es Ihnen bedeuten, wenn Sie in knapp zwei Wochen den Oscar gewinnen?

Firth : Ich kann mir gerade nicht so viele Gedanken darüber machen. Ich bin seit zwei Monaten in der glücklichen Lage, dass ich erstmal die Preise verarbeiten kann, die ich schon bekommen habe. Ich habe bei den britischen Filmpreisen gewonnen, das war unglaublich für mich. Ich fühle noch den Glanz. Ich habe das Gefühl, mich nicht auf die Zukunft konzentrieren zu müssen. Natürlich wäre das wunderbar. Aber im Moment ist das nur ein theoretischer Gedanke.