Pergamonmuseum

Türkei fordert bis Juni Sphinx von Berlin zurück

Die Türkei droht dem Pergamonmuseum und dem Deutschen Archäologischen Institut. Sollte Berlin die hethitische Sphinx nicht bis zum Sommer zurückgeben, werde Experten die Grabungserlaubnis in Hattuscha entzogen.

Foto: ae / Zentralbild

Im Streit um die hethitische Sphinx im Berliner Pergamonmuseum hat die Türkei der Bundesregierung eine Frist bis Juni gesetzt. Wenn Berlin die Sphinx von Hattuscha bis dahin nicht zurückgebe, werde dem Deutschen Archäologischen Institut die Grabung in Hattuscha rund 150 Kilometer östlich von Ankara entzogen, kündigte der türkische Kulturminister Ertugrul Günay im „Tagesspiegel“ an.

Er sei zuversichtlich, dass Deutschland die Figur zurückgeben werde, sagte Günay weiter. Offizielle Verhandlungen darüber liefen bereits. Die Grabung in Hattuscha, der ehemaligen Hauptstadt des Hethiterreiches, hat den Angaben zufolge eine mehr als hundertjährige Tradition und zählt zu den weltweit bedeutendsten archäologischen Projekten der Bundesrepublik. Deutsche Archäologen graben derzeit an rund einem Dutzend Stätten in Anatolien.

Die Großkönige von Hattuscha herrschten zwischen 1650/1600 und 1200 vor Christus über weite Teile Kleinasiens und Syriens. Sie eroberten Babylon, Troia war ihr Vasall. Neben Ägypten und Assyrien waren die Hethiter die dritte Großmacht des Alten Orients.

Eine andere deutsche Grabung hat die Türkei nach Aussage Günays bereits gestoppt. So seien die Ausgrabungen im westanatolischen Aizanoi, wo das Deutsche Archäologische Institut seit 1926 gegraben hat, zur kommenden Grabungssaison einer türkischen Universität übertragen worden. Der türkische Kulturminister begründete die Entscheidung damit, dass die Deutschen dort in den vergangenen Jahren fast nichts mehr gemacht hätten.

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