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Beim "Spiegel" hat nur noch einer das Sagen

Der "Spiegel" löst die Doppelspitze auf. Georg Mascolo wird Alleinherrscher beim Magazin, Mathias Müller von Blumencron kümmert sich ums digitale Geschäft.

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Die Hamburger „Spiegel“-Gruppe ordnet die Verantwortlichkeiten in ihrer Chefredaktion neu. Künftig werde sich mit Georg Mascolo wieder ein Chefredakteur allein um den gedruckten „Spiegel“ kümmern, teilte der Verlag in Hamburg mit.

Mathias Müller von Blumencron, der bislang gemeinsam mit Mascolo das Flaggschiff der „Spiegel“-Gruppe redaktionell leitet, werde künftig für die digitalen Inhalte der Gruppe verantwortlich sein – von „Spiegel Online“ bis zu den Angeboten für Smartphones und iPads. Beide Chefredakteure bildeten weiterhin die redaktionelle Doppelspitze des Hauses, nur mit erweiterter Verantwortung.

Im Klartext bedeutet das: Der "Spiegel“ hat wieder einen starken Mann. Er heißt Georg Mascolo und hat ab sofort bei dem Nachrichtenmagazin allein das Sagen.

Was aussieht wie eine Realteilung, ist tatsächlich Resultat eines Machtkampfes, den Müller von Blumencron verloren hat. So sieht es zumindest die große Mehrheit der „Spiegel“-Redakteure. Den digitalen Medien gehört zwar die Zukunft. Doch in der Gegenwart ist beim „Spiegel“ das gedruckte Nachrichtenmagazin publizistisch ungleich bedeutender. Ökonomisch ist es das sowieso.

Mit der nun getroffenen Entscheidung ist bei der nach innen autoritätsfixierten „Spiegel“-Redaktion die Welt wieder in Ordnung. Zwar hat es von Johannes K. Engel und Claus Jacobi bis zu Wolfgang Kaden und Hans Werner Kilz immer wieder Doppelspitzen in der Chefredaktion gegeben. Aber stets galt die Devise: Es kann nur einen geben. Zu Lebzeiten von Rudolf Augstein war es der „Spiegel“-Gründer, nach seinem Tod ging diese Rolle auf Stefan Aust über.

Mascolo werde wie bisher vom stellvertretenden Chefredakteur Martin Doerry und von Textchef Klaus Brinkbäumer unterstützt, heißt es in der Mitteilung weiter. Mascolo arbeitet bereits seit 1988 für die „Spiegel“-Gruppe. Er war unter anderem Washington-Korrespondent, Leiter des Deutschland-Ressorts und des Berliner „Spiegel“-Büros.

Der bisherige Chefredakteur von „Spiegel Online“, Rüdiger Ditz, bleibe im Amt, teilte eine Sprecherin mit. Sein neuer Chef Müller von Blumencron war von 2000 bis 2008 Chefredakteur von „Spiegel Online“. Er ist seit 1992 beim „Spiegel“. Die Gruppe hat den digitalen Bereich in den vergangenen Jahren stark ausgebaut; „Spiegel Online“ gehört seit langem zu den meistgenutzten deutschen Nachrichtenseiten.

Mascolo und Müller von Blumencron hatten vor drei Jahren die Chefredaktion des Nachrichtenmagazins übernommen. Sie waren Nachfolger von Stefan Aust, der seinen Posten nach mehr als 13 Jahren im Streit räumen musste.