Feminismus

Die US-Komikerin Tina Fey zeigt es den Frauen

Während Deutschland behäbig über Bascha Mika und die Quote diskutiert, findet der Star der Serie "30 Rock" eine neue Sprache.

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Wie schaffen Sie das bloß alles?“ Das ist eine der üblichen Fragen, die Frauen gestellt werden, die arbeiten und außerdem noch Kinder haben – wobei dann meist die Rede ist von „Frauen, die Kinder und Karriere unter einen Hut bekommen“, so öde und klischeegeblümt, dass man sich kaum noch andere Hutmodelle vorstellen kann als tulpenförmige aus lila Filz, unter die dezent manikürte Frauenhände ihren stressigen Büroalltag und den blondgelockten Nachwuchs schieben, wie in einem warm ausgeleuchteten Dreiteiler mit Heiner Lauterbach.

Zu den Klischees des Kulturlebens gehört auch, dass bei Debatten in Deutschland, wenn sie abkühlen, über den Atlantik geschielt wird und festgestellt, dass in Amerika „frischer“ und „unverkrampfter“ diskutiert wird. Jetzt, wo es um Bascha Mikas Thesen von der Feigheit der Frauen geht, die zwar in jedem Feuilleton besprochen wurden, aber nirgendwo so richtig einschlugen, weder bei männlichen Redakteuren, noch bei weiblichen Praktikanten, da lohnt sich das aber tatsächlich: In der neuesten Ausgabe des „New Yorker“ hat Tina Fey einen Essay über ihr Selbstverständnis als Mutter und Karrierefrau geschrieben, ein Thema, das einem Stepptanz in einem Minenfeld gleichkomme: Darüber ehrlich zu diskutieren sei „riskanter als einen Cartoon zu zeichnen, auf dem Allah Uncle Sam einen Zungenkuss gibt“.

"Wenn Sie mit Ihrer Zwillingsschwester und Hugh Hefner allein sind"

In Deutschland ist Fey bekannt als brillante Parodistin von Sarah Palin, in Amerika gehört sie zu den wichtigsten Figuren im Showbusiness: Vor zwölf Jahren wurde sie die erste Chefautorin der Fernsehsendung „Saturday Night Live“, heute ist sie als Drehbuchschreiberin und Hauptdarstellerin der mit Golden Globes und Emmys ausgezeichneten Comedy-Serie „30 Rock“ eine popkulturelle Ikone. Was ist die dreisteste Frage, die man einer Frau stellen kann, fragt Fey: „Wie alt sind Sie?“, „Wie viel wiegen Sie?“, oder „Wenn Sie mit Ihrer Zwillingsschwester und Hugh Hefner allein sind, müssen Sie dann so tun als seien Sie lesbisch?“ Die Antwort lautet anders: „Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?“

Tina Fey ist vierzig, arbeitet viel und hat eine Tochter. Sie höre diese Frage ständig und immer wieder mit dem Unterton der Anschuldigung, der meint: „Sie können das doch gar nicht schaffen, alles auf einmal!“. Zwar erscheine die moderne, urbane Kleinfamilie mit nur einem Kind als Norm, doch sei die große, glückliche Familie längst ein Statussymbol in New York: Mindestens vier schöne Kinder, nach ruhmreichen Königen oder exotischen Früchten benannt, die für die Aussage stehen: „Hey, ich kann mir ein Vierzimmer-Apartment in Manhattan leisten und hunderttausende Dollar im Jahr für die Grundschule – und wie leben Sie so?“

Das Dilemma ist für Tina Fey klar: entweder mit fünfzig „einen Haufen Finger“ gebären, oder weitermachen und dann eine von den älteren Frauen im Showgeschäft zu werden, die als „verrückt gelten, weil sie auch dann noch ihren Beruf ausüben wenn keiner mehr mit ihnen ins Bett will“. Man muss nicht in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie arbeiten oder besonders viel schwanzeinzieherischen Sexismus erlebt haben, um zu verstehen: Tina Fey schlägt einen Ton an, der unserer Debatte aus ihrem trägen Umsichselbstdrehen reißen könnte. Sie hat Worte gefunden für Fragen, die einen sonst schon gähnen lassen, bevor sie überhaupt gestellt sind.