"Good News"

Auf ihrer neuen Platte passt nur ein Lied zu Lena

"Good News", die zweite CD von Lena Meyer-Landrut, zeigt: Sie kann immer noch nicht singen. Leider ist das die gute Nachricht.

Die gute Nachricht: Lena Meyer-Landrut hat die hohe Kunst des eigenwilligen Nichtsingenkönnens nicht verlernt. Die schlechte Nachricht: Es gibt kaum noch Lieferanten, die ihr passende Lieder schicken. "Good News", Lenas zweites Album, präsentiert noch einmal die zwölf Songs, die in die engere Auswahl kamen für den Eurovision Song Contest im Mai in Düsseldorf. Aus aller Welt wurden ihr 700 Lieder zugesandt, und man ist froh, die restlichen 688 nicht zu kennen.

Schon im Fernsehen traten die zwölf Beiträge gegeneinander an. Man sah, dass Lena sich in ihnen kaum zu Hause fühlte, und man hört das auch auf ihrem Album. Es sind nette Songs für jedermann, für jeden Anlass. "Good News" und "A Good Day" stammen aus Amerika, von Audra Mae, die eine Großnichte von Judy Garland sein soll. Von Aloe Blacc, einem begabten R&B-Sänger, wurde „At All“ geschickt; wahrscheinlich hatte er es übrig.

Düsterer Elektropop und Kinder-Country

Lena ringt mit düsterem Elektropop und Kinder-Country, jodelt sich durch Gospel-Pop und weiß selbst nicht, was sie mit ihren eigenen Stücken soll. Zwei hat sie mitverfasst unter der Aufsicht Stefan Raabs. „What Happened To Me“ und „Mama Told Me“ bündeln die persönlichen Gedanken an das Jahr ihres Grand-Prix-Triumphes. Aber Stefan Raab schaltet beim Komponieren nur wieder in den Max-Mutzke-Modus. Bläser, Funk und Fingerschnippen. Raab hat noch ein drittes Stück verfasst unter dem Titel „That Again“, und man denkt: nicht schon wieder.

Lena hatte für die „Goldene Kamera“ vor einer Woche wieder „Satellite“ gesungen, ihren Siegessong von Oslo. Damit hätte sie dem Fernsehen im Gedächtnis bleiben können. In einem Geschäft, das mit seinen Figuren auch den Überdruss an ihnen produziert. Vielleicht weiß Stefan Raab, wie er auf die Idee kam, einen Sieg beim Eurovision Song Contest verteidigen zu wollen, einer Farce. Er möchte musizieren oder moderieren.

Moderieren darf er, sollte Lena mit „Push Forward“ antreten, dem einzigen Song auf „Good News“, der ihr steht. Geschrieben von Pär Lammers und Daniel Schaub aus Berlin, eine Ballade, in der sie ihr lustiges Englisch pflegen, herzhaft hauchen und ergriffen in die Knie gehen kann. Sie muss nicht ihre Arme flattern lassen wie verwirrte Vögelchen. Wenn sie „Push Forward“ singen darf in Düsseldorf, kann man das Album auch wieder vergessen. Eine merkwürdige Platte, auf der Lieder miteinander wetteifern.

Lena: Good News (USFD)