Kunstauktion

Hundemalerei – mein Model mit der kalten Schnauze

Bei Bonhams in New York werden Bilder von Settern, Pointern und Foxterriern versteigert. Um Hundekunst gab es im 19. Jahrhundert einen Boom.

Vor vier Jahren wurden bei Bonhams in New York die "New Forest Foxhounds" von John Emms (1843-1912) für den Rekordpreis von 843.250 Dollar verkauft. Auch am Mittwoch, dem 16. Februar 2011, ist Emms bei der Auktion "Dogs in Show & Field" der Spitzenreiter bei den Schätzpreisen: Hier wird ausschließlich Hundekunst angeboten – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Schmuck.

Seine "Acht Drahthaar-Foxterrier im Zwinger" sollen bis zu 300.000 Dollar einbringen. Es ist ein berühmtes Bild, das die meisten Hunde-, zumindest aber Terrierliebhaber aus Hundebüchern kennen, ohne zu wissen, dass es von Englands berühmtestem Hundemaler stammt.

Foxhounds sind Hunde-Aristokraten

Bei der Fuchsjagd zu Pferde ist der Foxterrier Gehilfe des Foxhounds. Dieser jagt laut in der Meute den Fuchs. Den Terrier nimmt der Huntsman im Korb auf dem Pferd mit, um ihn einzusetzen, wenn der Fuchs sich in eine Höhle geflüchtet hat und die Hounds nicht mehr weiterkommen. Der furchtlose Terrier dringt in das Versteck ein und treibt den Fuchs wieder hinaus.

Die Foxhounds können auf jahrhundertealte Stammbäume zurückblicken. Sie sind die Aristokraten unter den Hunden. Die Terrier gehörten eher zum ländlichen Proletariat. Jede Region hatte ihre eigenen Schläge, aufs Aussehen achtete man nicht.

Das änderte sich, als auf der Insel mit der Gründung des British Kennel Club 1876 die Geburtsstunde der modernen Hundezucht schlug, welche die uns geläufigen Rassen mit ihrem einigermaßen einheitlichen Erscheinungsbild erst hervorbrachte.

Hundemalerei als Geschäftsszweig

Und so wurde auch das bunte Völkchen der Terrier züchterisch geordnet, mit Rassestandards versehen, auf Ausstellungen und Arbeitsprüfungen bewertet – und gemalt. Hundezucht und Hundemalerei gingen eine fruchtbare Liaison ein.

Für die Maler erweiterte sich der Markt, weil die Hundezucht ein überwiegend bürgerliches Metier war. Für die Hundezüchter waren die Gemälde und ihre massenhaften Reproduktionen ein wichtiges Medium, die Idealtypen ihrer Rassen zu veranschaulichen und dem Publikum bekannt zu machen. Hundezucht und Hundemalerei wurden in England gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein einträgliches Geschäft.

Die acht Foxterrier Emms', gemalt 1886, stellen acht individuelle Hundepersönlichkeiten dar. Und Modellterrier. So und nicht anders hatte damals ein drahthaariger Foxterrier auszusehen. In der Darstellung des rauen Fells mit all seinen Unregelmäßigkeiten konnte Emms seine Virtuosität beweisen.

Emms' Bilder kauften viele Kunden

Wegen seiner meisterhaften Pinselführung wurde er der "Guardi der Hundemalerei" genannt – in Anlehnung an einen berühmten Genremaler des Rokoko. Emms gewann einen großen Kundenstamm und führte in Lyndhurst ein großes Haus.

Die amerikanische Geldaristokratie ahmte den Lebensstil der britischen Gentry nach. Auch sie nährte ihre Hundemaler. Allerdings fehlt hier die klassische Fuchsjagd mit der Meute. Dafür findet man bei dieser Bonhams-Auktion die edelsten Vorstehhunde aus der Hand amerikanischer Künstler.

Einer, Edmund Henry Osthaus (1858-1928), ist deutschen Ursprungs, geboren in Hildesheim, Absolvent der Düsseldorfer Akademie. In Toledo, Ohio, begründete er seinen Ruhm als Tier-, vor allem aber als Hundemaler.

Vorliebe für Pointer und Setter

Seine besondere Liebe galt den Pointern und Settern, jenen beiden weltweit verbreiteten britischen Vorstehhunderassen, die zwar miteinander verwandt sind, in ihrem Jagdverhalten aber typische Unterschiede aufweisen.

Vorstehhunde bleiben wie angewurzelt stehen, wenn sie die frische Witterung eines Rebhuhns oder Hasen in der Nase haben. Der Jäger tritt dann heran, scheucht das Wild auf und schießt es mit der Flinte.

Die klassische Vorstehpose zeigt der Pointer – Nase erhoben, der Körper in einer Vorwärtsbewegung erstarrt, ein Vorderlauf angewinkelt. Anders der Setter: Er duckt sich, wenn er Wild wittert, steht also nicht, sondern liegt eher vor.

Die Hundemalerin Maud Earl

Überhaupt merkt man diesen langhaarigen Hunden an, dass wohl das Blut von Stöberhunden und das von schottischen Hütehunden, den Collies, in ihren Adern fließt. Sie sind erdverbundener als die Pointer.

Und das geduckte Anschleichen an das Wild findet man als Bewegungsablauf auch beim Schafe hütenden Bordercollie. Osthaus hat die Anatomie und das Verhalten von Pointern und Settern studiert und bannt die Hunde aus der Jagdaktion heraus auf die Leinwand. Seine Bilder sind auf 8000 bis 50.000 Dollar geschätzt.

Die Hundemalerei war aber auch ein Feld der Emanzipation. Maud Earl (1864-1943) beispielsweise wuchs in einer berühmten britischen Hundemaler-Dynastie auf. 1916 ging sie nach New York und malte dort fast nur Hunde.

Earls große Liebe zu Retrievern

Sie nahm sich besonders einer Rasse an, die Anfang des 20. Jahrhunderts kaum beachtet wurde. Maud Earl malte Retriever. Bewegungsstudien waren ihre Stärke nicht. Der Retriever kommt dieser Schwäche entgegen.

Er ist kein jagender Hund. Seine Aufgabe ist nicht das Suchen und Aufspüren. Er kommt dann zu sich selbst und zum vollkommenen Ausdruck seines Wesens, wenn er mit gefundenem Wild im Maul vor seinem Herrn sitzt.

Earls Doppelporträt der schwarzen Labrador-Retriever Peter of Faskally und Dungavel Jet, berühmte Ahnen dieser Rasse, steht mit geschätzten 60 000 bis 80 000 Dollar im Katalog. Die Geschichte der beiden Retriever ist eine Erfolgsgeschichte. Die von Maud Earl auch.