"Based in Berlin"

Wowereits "Leistungsschau" hat nun einen Namen

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte für den Sommer eine "Leistungsschau" mit jungen Künstlern geplant. Doch dieser Name widerstrebte den Kunstschaffenden. Kurzerhand benannten sie das Festival um - in "Based in Berlin".

Foto: AFP

Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator hat lernen müssen, dass sich Künstler mit ihrer Kreativkraft nicht unbedingt in marktgängige Begriffe wie Wettbewerb oder Profit einschnüren lassen wollen. Deswegen heißt nun seine für den Sommer angekündigte „Leistungsschau“ junger Künstler „Based in Berlin“. Klingt nun auch nicht eben sexy, soll jedoch die Internationalität hervorheben und den Berlin-Bezug betonen. Nun ja, da gab es schon bessere Titel und Kulturstaatssekretär André Schmitz gestand gewisse „Kommunikationsprobleme“ ein.

Jedenfalls steht jetzt fest, wann Vernissage ist für Wowereits Lieblingsprojekt: Startschuss ist der 8. Juni, Ende: 24. Juli 2011. Für Kunst-Jetsetter strategisch gut zwischen Venedig-Biennale und Art Basel gelegen. 1,7 Millionen Euro beträgt das Gesamtbudget. 700.000 Euro fließen voraussichtlich in die Präsentation, 360.000 in Architektur, weitere 300.000 in Katalog und Werbung.

Hunderte Atelierbesuche wurden mittlerweile vom Kuratorenteam absolviert. 1250 Portfolios eingereicht, bis zu 100 Künstler werden ausgewählt. Studenten bewarben sich, auch Künstler im Alter von 50 plus. Die Kriterien für die Auswahl sind: die Künstler haben ihren Lebensmittelpunkt in Berlin, ihre Arbeit soll hier in den „letzten fünf Jahren sichtbar geworden sein“. Der Hauptanteil der Arbeiten liegt im performativen Format, erklärt Kurator Fredi Fischli. Vieles spielt mit dem öffentlichen Raum wie die „Public Sculptures“, anderes hat starken Eventcharakter. Die module und flexible Architektur in Form eines offenen Container-Dorfes liefert das Berliner Architekturteam raumlabor.

Eine eigene You-Tube-Community

Eine Tendenz gibt es, die veränderte Rolle des Künstlers durch den Einfluss des Digitalen. „Alle können im Netz ihre Arbeiten zeigen, bei Youtube ist eine eigene Community entstanden“, so Fischli. Neben dem mobilen Ausstellungsort am Humboldthafen wird es nun doch auch eine Art museale Bespielung geben, die Berlinische Galerie, der Hamburger Bahnhof, der NGBK und die Kunstwerke werden mit „Based in Berlin“ kooperieren. In welcher Weise, wird man noch sehen. Diese Kooperation ist neu, und offenbar Folge des kürzlich im Internet eingestellten Protestbriefes Berliner Künstler und Kuratoren, die kritisieren, dass diese an der Basis arbeitenden Institutionen nicht mit einbezogen worden waren. Mit diesen wechselnden Spielorten in der Stadt ist „Based in Berlin“ vom Format der Berlin Biennale ähnlich. „Vielleicht kann man ,Based in Berlin’ in Intervallen laufen lassen!“, so ein Vorschlag der Kuratorin Angelique Campens.

Zwölf Stunden hatten am Wochenende die Kuratoren und ihre Berater getagt. Unter ihnen auch Klaus Biesenbach, Gründer der Kunstwerke und der Berlin Biennale, heute Medien-Chef im MoMA in New York. „Mein Rat an Berlin war, lasst euch ein auf ein Experiment und macht eine Bestandsaufnahme der Szene. Wer sind die Künstler der Stadt, wie arbeiten sie? Und lasst sie Neues produzieren!“ Improvisierte Ausstellungen wie diese haben den Vorteil, dass am Ende manchmal Dinge herauskommen, die man nicht erwartet hätte. Biesenbach: „Vielleicht führt diese Ausstellung dann den Beweis, dass Berlin gar keine Kunsthalle mehr braucht.“