Neuen Album

A-ha setzt auf Synthie-Pop

Die Band a-ha knüpft mit „Foot Of The Mountain" an ihre Erfolge aus den achtziger Jahren an. Auf dem neuen Album widmen die Norweger sich wieder verstärkt dem Synthie-Pop, klingen aber modern genug, um nicht in der Nostalgieecke zu landen. Olaf Neumann traf den a-ha-Sänger Morten Harket in Berlin.

Foto: (c) Stian Andersen / Universal

Morgenpost Online: „Foot Of The Mountain“ stieg in die deutschen Charts direkt auf Platz 3 ein. Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Morten Harket: Ich hatte bei dem Song auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Das wurde jetzt von den Plattenkäufern bestätigt.

Morgenpost Online: : Manche sehen das Album fast als ein Comeback. Dabei waren Sie eigentlich nie weg…

Harket: In gewisser Weise ist es sogar eins. Denn für dieses Album sind wir zu unseren alten Synthies und Programmierern zurückgekehrt, die wir zusätzlich zu modernen Instrumenten spielen. Sowas taten wir zuletzt 1985 bei unserem Debütalbum in London. Wegen dieses komplizierten Prozesses dauerten die Vorbereitungen für „Foot Of The Mountain“ mehrere Jahre. Das Ganze war wie ein großes Reinemachen. Es sollte uns helfen, herauszufinden, ob wir weitermachen sollen oder nicht. Um als Band ?relevant zu bleiben, muss man seine Gewohnheiten immer wieder infrage stellen.

Morgenpost Online: Es gibt genug Musikhörer, die für „Retro-Trips“ dankbar sind. Geben Sie den Leuten, was sie wollen?

Harket: Ich glaube, viele werden das Album mit unseren frühen Arbeiten vergleichen. Vielleicht werden sie sagen, a-ha haben zur alten Form zurückgefunden. Das war aber nicht unsere Absicht. Den Sound der 80-er wieder einzufangen, war ein echtes Bedürfnis der Band.

Morgenpost Online: Die meisten Songtexte stammen von Paul Waaktaar-Savoy. Denkt er beim Schreiben an Sie?

Harket: Ich glaube nicht, dass er dabei ständig an mich denkt. Natürlich ist ihm klar, für wen er schreibt. Oft passiert das in einer Tonart, die eigentlich gar nicht zu meiner Stimmlage passt. Ich singe die Songs trotzdem, weil ich mich gern herausfordern lasse. Mit jeder Platte erobere ich mir neue Bereiche. Das ist Teil der Evolution der Band. Von Natur aus bin ich ein Bariton, aber ich singe wie ein Tenor.

Morgenpost Online: Versuchen Sie sich auch in Genres außerhalb der Popmusik?

Harket: Bei bestimmten Nebenprojekten singe ich zum Beispiel Soul-Songs. Auch meine Soloalben haben nichts mit a-ha zu tun. Da strahlt meine Stimme etwas völlig Anderes aus. Das ist aber nicht geplant, es geschieht unbewusst.

Morgenpost Online: Sind Sie manchmal von Ihrer eigenen Stimme überrascht?

Harket: Nicht mehr. Aber ich bin extrem sensibel, ob sie ehrlich und wahrhaftig klingt. Heute beherrsche ich mein Handwerkszeug. Anfangs passierte bei a-ha vieles im Affekt. Das lasse ich heute nicht mehr zu. Man würde es sofort hören.

Morgenpost Online: Spielen Sie bei Streitereien zwischen den Songschreibern Paul und Magne den Vermittler?

Harket: : Ich vermittle nicht. Ich sage ganz einfach Nein, wenn ein Song nicht zu mir passt oder nichts in mir auslöst. Ich nehme an der Entwicklung von Songs aktiv teil, egal ob ich sie geschrieben habe oder ein anderer.

Morgenpost Online: Ab wann wurden Sie in den kreativen Prozess einbezogen?

Harket: Ein a-ha-Album ist ein lebendiger Prozess. Da gibt es keine Regeln. Das Schreiben geschieht in der Regel so: Paul schnappt sich seine Gitarre und summt dazu. Genauso macht es Magne. Ich bekomme dann meist eine Melodie und einen halbfertigen Text präsentiert.

Morgenpost Online: Diesmal arbeiteten Sie mit drei Produzenten, darunter dem Deutschen Roland Spremberg. Braucht a-ha im Studio eine treibende Kraft?

Harket: Wir hatten bislang fast immer Glück mit unseren Produzenten, aber nicht jeder passt zu jedem Projekt. Eine Band ist keine statische Angelegenheit.

Morgenpost Online: Machen Sie sich bei der Arbeit an einem neuen Album auch Gedanken, ob die Songs live funktionieren?

Harket: Nein. Das beraten wir erst, wenn wir eine Tour vorbereiten.

Morgenpost Online: Im Oktober geht es wieder los. Wie schwer ist es, ein Programm zu erstellen, das sowohl den neuen Songs als auch Klassikern gerecht wird?

Harket: Diese Tour wird eine interessante Herausforderung. Bisher spielten wir die alten programmierten Sachen immer mit einer Rockband-Attitüde. Diesmal tun wir genau das Gegenteil und spielen unsere rockigeren Stücke mit Synthies. Ich bin gespannt, wie sie sich dabei verändern werden. Ich hoffe, wir können den Songs ein paar coole neue Aspekte hinzufügen.

Morgenpost Online: Werden Sie Ihrer Hits „Take On Me“ und „The Sun Always Shines On T.V.“ niemals überdrüssig?

Harket: So lange wir sie neu interpretieren, nein. Wir können unser Live-Programm in jeder erdenklichen Stimmung spielen. Alles ist möglich.

Morgenpost Online: „Take On Me“ wurde oft gecovert. Gibt es eine Version, die Sie ganz besonders schätzen?

Harket: Es gab brillante Adaptionen, aber ich habe keine Lieblingsversion. Auffällig sind die unheimlich vielen schwarzen Künstler mit unerwarteten Versionen von HipHop bis R&B. Generell fand ich die am besten, die eigen klingen. Die Version von A1 ist weniger interessant, weil sie sich stark am Original angelehnt hat, aber ihnen gelang mit „Take On Me“ der Nummer-1-Hit in England, den wir selbst nicht geschafft haben. Dank A1 haben wir nun auch dort eine Nr. 1. (lacht)

Morgenpost Online: Viele große Bands und Künstler geben zu, von a-ha beeinflusst zu sein, darunter U2, die Pet Shop Boys und Robbie Williams. Gefällt es Ihnen, solche Stars als Fans zu haben?

Harket: Für mich sind das keine Celebrity-Fans, sondern Künstler mit einer starken Identität. Insofern fühle ich mich geehrt, wenn sie Respekt vor unserer Arbeit haben. Das ist das größte Kompliment.