"Mein Glück"

Das russische Hinterland als wahre Hölle auf Erden

Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa zeigt in seinem Spielfilmdebüt "Mein Glück", dass es immer noch finsterer geht als gedacht.

Von Glück kann eigentlich keine Rede sein in diesem Film, schließlich er mit einer im Schlamm verbuddelten Leiche und endet mit einer kaltblütigen Mordtat. Auch dazwischen passiert nicht viel Erfreuliches: Ein argloser junger LKW-Fahrer gerät irgendwo in der russischen Provinz in eine Verkehrskontrolle. Was mit ein bisschen demütigendem Machtmissbrauch von Seiten der Uniformierten beginnt, steigert sich zu einem Ausbruch von Gewalt, dem ein paar Menschen zum Opfer fallen.

Dieses eine Mal hat der junge Mann noch "Glück". Dann liest er allerdings eine minderjährige Prostituierte auf. Und die führt ihn höhnisch auf noch sehr viel dunklere Abwege, wo er später von einer Gruppe Obdachloser ausgenommen und halb totgeschlagen wird.

Und das ist längst noch nicht das Ende dieses Albtraums, der nachtschwarz durch Bilder und Zeiten springt. Mit viel Sinn für originelle Gesichter zeichnet der bislang vornehmlich als Dokumentarfilmer bekannte ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa in seinem Spielfilmdebüt das russische Hinterland als wahre Hölle auf Erden.

Einerseits gelingen ihm dabei beeindruckende Szenen, andererseits aber lässt sich Loznitsa dazu hinreißen, das finstere Bild mit immer noch düsteren Schichten zu übermalen, so dass am Ende vor lauter "Noir" eigentlich gar nichts mehr zu erkennen ist.

Das ist nicht nur ein Phänomen bei Sergej Loznitsa. Die zunehmende Lichtschwachheit der Filme führt folgerichtig dazu, dass einige Experten die Sparte "russisches Kino" inzwischen schon als Untergenre des Horrorfilms führen.