Horrorstar

Ingrid Pitt erlebte das Grauen am eigenen Leib

Die Königin der Vampire ist mit 73 Jahren gestorben. Ingrid Pitt hat in ihrem Leben das Grauen überlebt und wurde mit Horrorfilmen berühmt.

Sie war eine Königin des Horrors. Und das nicht nur wegen der einschlägigen Filme, mit denen sie berühmt wurde. Ingrid Pitt hat die Schrecken des 20. Jahrhunderts wie wenige erlebt – und gelebt, das Leben unter Partisanen, die Konzentrationslager der Nazis, die Verfolgung durch die DDR-Behörden und den Rummel des Showbiz. Darüber wurde sie 73 Jahre alt. Jetzt ist sie in einem Londoner Krankenhaus gestorben.

Die Tochter einer jüdisch-polnischen Mutter und eines nach Polen geflohenen Deutschen kam als Natascha Petrovna in Treblinka zur Welt. Damals war der Ort noch kein Synonym für den Blutrausch des 20. Jahrhunderts. Aber die Familie sollte ihn bald kennenlernen. Zunächst auf der Flucht vor den Deutschen, dann, nach der Gefangennahme, im KZ Strutthof bei Danzig. Den Todesmarsch bei Kriegsende überlebten Natascha und ihre Mutter, auf der Suche nach dem verschollenen Vater kamen sie nach Ost-Berlin.

Ein GI namens Pitt rettete sie aus der Spree

Wie Ingrid Pitt in ihrer Autobiografie schreibt, fahndete die DDR-Polizei nach ihr, weil sie aufmüpfige Reden gehalten haben soll. Eine Bewerbung an Brechts Berliner Ensemble scheiterte. Auf der Flucht sprang sie in die Spree und wurde von einem GI mit Namen Pitt gerettet. Bald heirateten sie und Petrovna wurde zu Ingrid Pitt.

Während ihr Mann in Vietnam Dienst tat, versuchte sich Pitt in der Schauspielerei, zunächst auf der Bühne, bald auch beim Fernsehen. Ihren Durchbruch hatte sie an der Seite von Clint Eastwood und Richard Burton in „Agenten sterben einsam“ (1968). Doch es wurde nicht der Start in eine Karriere als Charakterdarstellerin. Ingrid Pitt wurde zur Königin des Horrorfilms.

Einmal spielte sie drei Untote gleichzeitig

„Totentanz der Vampire“, „Gruft der Vampire“, „Comtesse des Grauens“ waren Titel der Filme, die sie Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger in schneller Folge für die auf Horror spezialisierte Londoner Produktionsfirma „Hammer Films“ drehte. Ihr Markenzeichen war dabei ein tiefes Dekolleté und wenig Kleidung, was noch heute von Fans der „Hammer-Filme“ geschätzt wird. Unvergesslich, wie sie in „Gruft der Vampire“ nicht nur die blutdurstige Hauptfigur, sondern gleich noch zwei ihrer Vorfahren mimte.

Später, sie hatte sich in Argentinien niedergelassen, widmete sich Ingrid Pitt den wirklichen Schrecken ihres Lebens. Das Leben im KZ prägte nicht nur die Autobiografie, sondern auch den Roman „Katarina“, der 1986 erschien. Auch drehte sie wieder Filme, mit denen sie aber nicht mehr an die Popularität ihrer großen Jahre anknüpfen konnte.