Rock-Beamte

Bon Jovi vergleichen sich mit AC/DC

Wie gewohnt erreichte ihre neue CD "The Circle" in der ersten Woche die Spitze der Charts. Seit einem Vierteljahrhundert liefern die US-Rocker Bon Jovi ein Hit-Album nach dem anderen ab. Im Interview mit Morgenpost Online vergleicht Frontmann Jon die Band mit einem mittelständischen Unternehmen – und mit AC/DC.

Morgenpost Online: Ihre neuen Lieder klingen durchaus frisch. Aber sie erinnern auch deutlich an ältere Songs. Ist das Absicht oder fällt Ihnen nicht mehr viel ein?

Jon Bon Jovi: Ich habe die Songs halt alle geschrieben, die alten wie die neuen. Das ist nun mal so, dass da gewisse Ähnlichkeiten auftreten. Aber es steckt kein Kalkül dahinter nach dem Motto „Komm, wärmen wir noch mal das Essen auf, das uns so geschmeckt hat“. Wir haben vielmehr unseren eigenen Stil. Bei diesem Album wollten wir dem, was als typischer Bon-Jovi-Sound gilt, möglichst nahe kommen.

Morgenpost Online: Das vorherige Album „Lost Highway“ war deutlich von Countrymusik beeinflusst. Haben es Ihre Fans lieber, wenn Sie auf Experimente verzichten?

Bon Jovi: AC/DC hören sich immer an wie AC/DC und werden dafür gefeiert. Bon Jovi hören sich eben so an wie Bon Jovi. Das ist nichts, wofür ich mich schämen müsste. Wir haben nie versucht, unseren Sound zu verraten. Es gab von uns nie eine Grungeplatte, und heute kann ich sagen: zum Glück. Es ist einfach nicht gesund, wenn du deine Marke – und unsere Musik ist eine Marke – zu stark verwässerst.

Morgenpost Online: Wie entstand das Album?

Bon Jovi: Vor etwa einem Jahr haben wir angefangen. Wir machten ein Stück über Richies – erfolgreichen – Alkoholentzug und ein paar der üblichen Junge-Mädchen-Lieder, die ich nicht sehr eindrucksvoll fand. Wir waren etwas eingerostet. Dann kam die Wirtschaft unter die Räder, Finanzkrise, Arbeitslosigkeit, dieser ganze Mist. Daraufhin schrieben wir „When we were beautiful“, ein Lied, in dessen Text ich mich nach einer einfachen, unkomplizierten, heilen Welt sehne.

Morgenpost Online: Sie leben mit Ihrer Frau Dorothea und Ihren vier Kindern in New York. Wie schaffen Sie es, nicht ständig von Medien genervt zu werden?

Bon Jovi: Indem wir so normal leben wie möglich. Ich möchte nicht in der Haut von Brad Pitt oder Tom Cruise stecken.

Morgenpost Online: Was unterscheidet Sie von den Weltstarkollegen?

Bon Jovi: Ich tauche nicht auf allen Partys auf und ich habe keine berühmte Schauspielerin geheiratet. Ich könnte auch auf allen möglichen roten Teppichen auftauchen, aber ich entscheide mich fast immer dagegen. So ist das nun mal. Dorothea und ich, wir hatten bestimmt nicht immer nur leichte Zeiten. Aber wir haben immer zusammengehalten. We have history together, wie der Amerikaner sagt.

Morgenpost Online: Ist es in Ihren Kreisen nicht ungewöhnlich, nach wie vor mit seiner Highschool-Liebe liiert zu sein?

Bon Jovi: Was sind denn meine Kreise? Kokain schnupfende, saufende und verantwortungslose sogenannte Rockstars? Nein. Ich komme aus einer intakten, normalen Arbeiterfamilie in New Jersey. Ich sehe mich auch nicht als durchgeknallten Rocker.

Morgenpost Online: Sondern?

Bon Jovi: Als Chef eines mittelständischen Unternehmens, das seit 25 Jahren Qualität liefert. Natürlich war mein Leben ein Wirbelwind, aber gewisse Werte habe ich nie über Bord geworfen. Und ich bin ja auch nicht der einzige Rockmusiker, der vier Kinder mit derselben Frau hat. Bono etwa hat eine ganz ähnliche Vita.

Morgenpost Online: Sie sehen mit 47 immer noch so aus wie Ende Dreißig. Wie machen Sie das?

Bon Jovi: Ich habe die letzten drei Monate geackert wie blöde, um wieder in Form zu kommen, das kann ich Ihnen sagen. Fürs Video und das Albumcover kann man nicht aussehen wie Mister Molly.

Morgenpost Online: Freuen Sie sich aufs Alter?

Bon Jovi: Nein. Meine Augen lassen nach, meine Knie tun mir weh. Und wenn ich nichts dagegen tun würde, wäre ich schon grau.