Mittelkürzung

Haus der Kulturen kämpft gegen die Kürzungen

Trotz Budgetkürzungen vermeldet die kulturelle Bundeseinrichtung Positives. Unter anderem kehrt die Berlinale zurück. Intendant Bernd M. Scherer: "Das ganz Haus soll sich verwandeln."

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In der "Schwangeren Auster" erwartet die Zuschauer 2011 unter anderem "Der Traum vom Fliegen".

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Als das Haus der Kulturen der Welt vor neun Jahren eine Bundeseinrichtung wurde, schien es endlich auf der sicheren Seite zu sein – sicher vor den Zumutungen der Berliner Kulturpolitik und den Budgetkürzungen, die viele Theater und Orchester hinnehmen mussten. Und nun das: Das Auswärtige Amt streicht dem Haus 250000 Euro, wodurch im Programmetat ein kleines Erdbeben droht. „Unsere großen Projekte sind zu mehr als 50 Prozent aus Drittmitteln finanziert“, sagt Bernd M. Scherer, der Intendant des Hauses der Kulturen der Welt. „Wenn wir unseren Eigenanteil nicht bringen, fallen diese Mittel weg. Das heißt, dass wir im nächsten Jahr das Festival „Worldtronics“ vielleicht nicht realisieren können und damit im November kaum Programm haben werden.“ Doch noch hofft Scherer, dass es nicht so weit kommen wird. Er stellt das Festival nur zur Disposition, weil es die letzte Großveranstaltung des kommenden Jahres ist. So bleibt noch Zeit, für eine Rücknahme der Budgetkürzungen zu kämpfen.

Die Berlinale kehrt zurück

Ansonsten hatte der Intendant bei der gestrigen Jahrespressekonferenz nur Positives zu vermelden. Die Berlinale kehrt zurück und wird in der John-Foster-Dulles-Allee ihr Kinder- und Jugendprogramm Generation präsentieren, und auch die eigenen Programmvorhaben des Hauses klingen vielversprechend. Zuerst sollen Modelle einer multikulturellen Gesellschaft diskutiert werden. Es gibt Debatten zum europäischen Islam und die Ausstellung „Sieben Felder“, in der Berliner Jugendliche ihre sehr verschiedenen Lebenswelten präsentieren. Anfang Februar folgt die „Transmediale“, die unter dem Motto „Response:Ability“ stehen wird. Es soll untersucht werden, wie neue Kommunikationstechnologien und die ständige Präsenz in sozialen Netzwerken heutige Arbeitsprozesse und das gesellschaftliche Zusammenleben prägen.

Von März bis Mai geht es im Haus der Kulturen der Welt um den „Traum vom Fliegen“ – aus technologischer, spiritueller und historischer Sicht. Es wird eine Ausstellung, Vortragsreihen und ein Fluglabor geben, das auf einem Balkon über der Ausstellungshalle zu schweben scheint. Dem Publikum sinnliche Erfahrungen zu vermitteln, ist den Programmverantwortlichen sehr wichtig. „Das ganze Haus soll sich verwandeln“, kündigt Bernd M. Scherer an: „Uns gelingt es immer dann, ein besonderes Energiefeld zu erzeugen, wenn wir großen Flächen bespielen, wenn es im Haus mehrere Veranstaltungen gibt, die ineinander greifen“.

Und so wird es neben dem „Traum vom Fliegen“ zwei weitere thematische Schwerpunkte geben. Im August sollen unter dem Motto „Über Lebenskunst“ nachhaltige Lebens- und Kulturmodelle präsentiert werden. 850 Projektideen sind bisher von Künstlern aus der ganzen Welt eingereicht worden. Im September und Oktober dreht sich dann alles ums Essen. Die Künstlerin Ulrike Ottinger untersucht unter dem Titel „Floating Food – Schwimmende Speisen“ Rituale der Nahrungsaufnahme. Sie gestaltet eine Ausstellung mit Filmmontagen, Fotos und ethnologischen Objekten – Opferaltären zum Beispiel und Schamanenkostümen.

Dazu kommen die jährlich wiederkehrenden Festivalreihen „In Transit“ im Juni, „Wassermusik“ im Juli und – von der Budgetkürzung bedroht – „Worldtronics“ Ende November. Weltuntergangsstimmung herrscht also nicht im Haus der Kulturen der Welt – eher ein trotziges Selbstbewusstsein. „Wir haben 120000 Besucher im Jahr“, sagt Bernd M. Scherer, „das ist so viel wie ein großes Berliner Theater. Doch unsere Zuschüsse sind viel niedriger. Wir waren schon vor der Finanzkrise unterfinanziert.“ Vom Bund erhalte das Haus im Berliner Tiergarten ein Projektbudget in Höhe von 3,1 Millionen Euro. Das institutionelle Budget von der Dachgesellschaft Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) betrage etwa 4,2 Millionen Euro. Jetzt hofft der Intendant auf ein Einsehen der Politik. Der vergleichsweise geringe Betrag von 250000 Euro muss doch irgendwo zu beschaffen sein…