Deutsches Theater

Thalheimers "Weber" fehlt die Empathie

Ob „Faust" oder „Die Nibelungen" – Michael Thalheimers Klassiker-Inszenierungen haben meist kompakte Spielfilm-Länge. Am Donnerstagabend feierte am Deutschen Theater Berlin seine entrümpelte Version von Gerhart Hauptmanns „Die Weber" Premiere.

Foto: Reto Klar

In 100 Minuten zeigte Regisseur Michael Thalheimer am Deutschen Theater in Berlin-Mitte ein von allem Ballast befreites Sozialdrama. Wo Gerhart Hauptmann in "Die Weber" seine Zeitgenossen noch mit schonungslosem Realismus schockte, macht Thalheimer aus dem Werk ein eher sprödes Lehrstück über den Aufstand der Ausgebeuteten. Thalheimer feierte am Deutschen Theater vor drei Jahren einen großen Erfolg mit Hauptmanns „Die Ratten“.

Bei seiner verdichteten Version vom Aufbegehren der schlesischen Weber treten 18 Schauspieler auf einer riesigen, die ganze Bühne einnehmenden Treppe (Bühne:Olaf Altmann) auf – darunter Sven Lehmann, Ingo Hülsmann, Peter Moltzen, Moritz Grove und Michael Schweighöfer.

Das von Hauptmann im schlesischen Dialekt geschriebene Schauspiel erzählt vom Weberaufstand im Jahr 1844. Durch mechanische Webstühle und billig importierte Baumwolle sind die Arbeitslöhne gefallen. Es gibt Arbeitslosigkeit und Armut unter den Webern. Der Fabrikant Dreißiger will die Löhne noch weiter drücken. Da kommt es zur Revolte.

Thalheimer lässt die Darsteller in ihrem nicht immer verständlichen schlesischen Dialekt wie in seinem meisten Inszenierungen frontal ins Publikum sprechen. Das erzeugt emotionale Distanz beim Zuschauer. Das Premierenpublikum applaudierten am Ende vor allem dem glänzend spielenden Darstellerensemble.