Neu auf CD

Vampire Weekend wollen Afrika verstehen

Zuletzt adelte sie Blur-Sänger Damon Albarn, als er sie im Londoner Hyde Park mit auf die Bühne nahm. Auf ihrem neuen Album klingen Vampire Weekend noch stärker nach sich selbst als je zuvor. Außerdem lässt Adam Green merklich nach. Morgenpost Online bespricht die CDs der Woche.

Foto: Beggars Group Ltd.

Vampire Weekend: Contra (XL)

Wie Madonna Kinder aus Malawi, adoptiert die Band Vampire Weekend Klänge aus Nigeria und Mali. Alle kümmern sich um Afrika. Vampire Weekend allerdings auf unaufdringliche und wenig selbstherrliche Weise: Sie verzichten lediglich darauf, ihre Gitarren zu verzerren, was im Tempo ihrer Stücke an Paul Simons "Graceland" denken lässt. Weil sie nicht dumm sind, haben die New Yorker es beizeiten zum Programm erklärt, das kulturelle Blutsaugen.

Ihre Musik als "Upper West Side Soweto". Die Aussage des Sängers Ezra Koenigs: "Wir interessieren uns sehr für postkoloniale Kultur." Den Ritterschlag empfing die Band im Londoner Hyde Park, im vergangenen Juli, als der Afrikaversteher Damon Albarn sie zum Großkonzert von Blur einlud. Sie spielten Lieder von 2008 wie"„Cape Cod Kwassa Kwassa" und schon Lieder für 2010 wie "Taxi Cab". Nun sind die neuen Stücke da. Zehn Songs in einer guten halben Stunde.

Dennoch kommt der Überdruss an Zivilisation und Wohlstand nicht zu kurz. Die Band klingt nachdenklicher, ungehaltener mitunter und noch afrikanischer. Der Schlagzeuger Christopher Tomson sagt sogar: "Wir klingen heute vielleicht stärker nach Vampire Weekend als jemals zuvor."

4 von 5 Punkten

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Adam Green: Minor Love (Rough Trade)

Adam Green, das zottelige Wunderkind des Anti-Folk, ist auch schon 28 Jahre alt und reif für eine Scheidungsplatte. Trennungsalben gelten als Beginn der mittleren Schöpfungsphase.

Und nach allem, was man hier so hört über die ausweglose Liebe und das Leben des enttäuschten Mannes, fühlt sich Adam Green zum Adamgreensein mehr denn je verpflichtet. Bis es weh tut. Mit weit aufgerissenen Augen singt er über Buddy Bradley, einen Comic-Helden aus den Neunzigerjahren, Soul im Stadion und die Zigarette, die nie ausgeht, was ihn in New York zum Obdachlosen macht. "Don’t Call Me Uncle", fleht er einem onkelhaft entgegen.

2 von 5 Punkten

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Karen O: Where The Wild Things Are (Interscope)

Dass Kinder nicht so kindisch, zart und dämlich sind wie Kinderfilme es gern hätten, zeigt Spike Jonze mit "Wo die Wilden Kerle wohnen". Karen Orzolek singt dazu Lieder, die mehr an die Yeah Yeah Yeahs erinnern, ihre Wilde-Kerle-Band, als an die Indoktrinationen Rolf Zuckowskis.

4 von 5 Punkten

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Chris Brown: Graffiti (Jive)

Die öffentliche Anteilnahme, unter der Chris Brown im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Partnerin misshandelte, brachte ihm nicht nur Schimpf und Schande ein. Jetzt werden seine Stücke aufmerksam von aller Welt verfolgt. Jetzt hat er Stoff für seine Stücke.

An der Seite von Lil Waye erklärt er glaubwürdig "I Can Transform You". Davon singt Rihanna selbst inzwischen Lieder, und ihr ehemaliger Tyrann erinnert an sein "Girlfriend" und das "Famous Girl". Gemeinnützige Arbeit hat Chris Brown als Strafe zu verrichten, 180 Stunden lang. Ob ihm die Aufnahme des Albums angerechnet werden kann, ist fraglich.

1 von 5 Punkten

Elvis Presley: Elvis 75 (RCA)

Aus aktuellem Anlass sei die Nachfrage gestattet: Warum tauchen unablässig unveröffentlichte Songs verstorbener Popstars auf, schon um deren Unsterblichkeit zu demonstrieren, bloß von Elvis Presley nie? Von Elvis tauchen zu den Todes- und Geburtstagen nur immer wieder "That’s All Right" und "Hound Dog" auf, "Suspicious Minds" und "In The Ghetto", "Love Me Tender" und "Heartbreak Hotel".

Hinzu kamen zuletzt nur lästige Remixes von JXL und von Paul Oakenfold. Das reicht für 75 Hits zum 75. Dass Elvis aber lebt, beweist es immer weniger. Darum bemüht sich heute der Cirque du Soleil mit „Viva Elvis“, einer Revue in Las Vegas. Ein Zirkus.

3 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster