Geschichte

Ein Brief aus purem Gold und sein Geheimnis

Der Brief ist aus purem Gold und wahrscheinlich der einzige seiner Art, den es noch gibt. 250 Jahre lang lag er in einem Tresor. Jetzt ist wurde Geheimnis gelüftet, in der Leibniz-Bibliothek in Hannover.

Jahrhundertelang hat er im Tresor der Leibniz Bibliothek Hannover geschlummert. Niemand konnte mit ihm etwas anfangen. Nun hat ein Forscher aus Luxemburg das Geheimnis um den „Goldenen Brief“ von 1756 gelüftet, der Historiker Jacques Leider. „Das ist einmalig. Mit 99-prozentiger Sicherheit ist es der einzige Goldene Brief weltweit, der noch besteht“, sagte er in Hannover. Alle anderen seien eingeschmolzen worden.

Derweil macht sich der Leiter der Restaurationswerkstatt, Martin Brederecke, mit weißen Handschuhen an einer Schachtel zu schaffen. Stück für Stück kommt ein 55 mal 12 Zentimeter großes Blech aus nahezu reinem old zum Vorschein, darin eingraviert die runden Schriftzeichen des birmanischen Königs Alaungphaya. Mit 24 hochkarätigen Rubinen an den dünnen Rändern des Briefes wollte der König seinerzeit seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Diese gebührte dem hannoversch-englischen König Georg II., mit dem Alaungphaya Handel und Freundschaft führen wollte. „Es ging um Teakholz für den Schiffsbau, Reis und Kanonen. Denn der König war mitten im Krieg“, sagt Leider. Solche Goldenen Briefe seien sonst nur an die chinesischen Kaiser geschrieben worden.

Doch zum Handel sollte es nicht kommen. Georg II. konnte mit dem kostbaren Brief offenbar wenig anfangen und schickte ihn in die Königliche Bibliothek nach Hannover. „Der birmanische König hat jahrelang auf eine Antwort gewartet. Der hat sich natürlich geärgert“, sagt Leider, während der Brief langsam in einer Glasvitrine verschwindet. Die englisch-birmanischen Beziehungen seien deswegen noch jahrzehntelang getrübt gewesen. Gefallen schien Georg II. lediglich am Gold gefunden zu haben. 1768 präsentierte er den glänzenden Kulturschatz dem dänischen König Christian VII. bei einem Inkognito-Besuch. Dieser beschädigte den Brief, als er ihn zusammenrollte und in das noch erhaltene Transportbehältnis, einen ausgehöhlten Elefantenstoßzahn, zurückschob. „Eigentlich kann das jeder Birmane lesen. Aber die Beschädigung hat die Entzifferung erschwert“, sagt der luxemburgische Historiker. Drei Jahre hat er in Sachen Brief geforscht, hat alle Briefe Alaungphayas übersetzt, war dafür in Deutschland, Birma und England unterwegs.

Angestoßen hat die Forschungen der neue Leiter der Handschriftenabteilung der Bibliothek, Friedrich Hülsmann. „Wenn man nicht weiß, was es ist, dann wächst die Neugier“, erklärt er. Darum sei er auf den Birma-Experten zugegangen. Der Brief habe zwar nicht irgendwo herumgelegen, er sei aber als Kuriosum geführt worden, sagt Bibliotheksleiter Georg Ruppelt. „Nicht das Gold interessiert mich, sondern, dass wir hier ein Stück Weltgeschichte haben.“ Ein ähnliches Gefühl habe er gehabt, als er das erste Mal einen Leibniz-Brief in der Hand hatte.

Hülsmann schätzt den Wert des Briefes auf mindestens eine Million Euro. Nun soll das kostbare Stück erstmals im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) einer kleinen Öffentlichkeit präsentiert werden. Schon bald aber soll der Goldene Brief in einer Glasvitrine einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Zwar bleibe die Bibliothek eine Bürger- und Leihbibliothek, sie wolle aber künftig stärker die eigenen Bestände erforschen, sagt der Leiter. Wenn man bedenke, dass der Leibniz-Nachlass noch nicht einmal zur Hälfte erschlossen sei, könne die Öffentlichkeit womöglich noch einige wichtige Funde erwarten.