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Muss man im Gefängnis GEZ-Gebühren zahlen?

Darf im Gefängnis eigentlich die Glotze laufen? Oder heißt es für die Gefangenen Abschied nehmen von Tagesthemen und Sportschau? Morgenpost Online hat im Knast nachgefragt. Und gleich noch einen Weg entdeckt, wie man um die GEZ-Gebühren herumkommt.

Foto: dpa Morgenpost Online / dpa

Seit 1998 dürfen Insassen in deutschen Gefängnissen einen Fernseher auf ihrer Zelle haben. Jeder kann sehen, was er möchte. So kommt es nicht gleich zu einer Knast-Revolte, nur weil Manni mal wieder im Gemeinschaftssaal im falschen Moment umgeschaltet hat. Stattdessen gibt es Einzelzimmer mit Gitterblick und Satelliten-Empfang.

Was läuft in der Zurückgezogenheit der eigenen Zelle? Versorgt "Richterin Barbara Salesch" die Häftlinge mit wertvollen Tipps für die nächste Vorladung? Oder lassen sich die Insassen am liebsten von „Die Flucht von Alcatraz“ inspirieren? Ist hier etwa Gefahr im Vollzug? Lars Hoffmann von der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel macht sich um die Sehgewohnheiten der Häftlinge keine Sorgen: "Wer was sieht, können wir nicht nachvollziehen. Warum auch?"

In Sachen Fernsehen geht es hinter Gittern also liberal zu. Die Vorschriften für die Fernsehnutzung sind nicht sehr streng: "Es gibt keine zeitlichen Beschränkungen. Auch nachts darf Fernsehen geschaut werden, solange sich niemand gestört fühlt“, sagt Hoffmann. Dann genügt meist ein kurzes Klopfen an die Wand. Aber wehe, wenn sich die Gefängnisleitung am Verhalten des Insassen stört.

Werden zum Beispiel Alkohol oder andere verbotene Gegenstände bei einem Gefangenen gefunden, ist der Fernseher weg. „Das Fernsehverbot trifft schon hart“, sagt Hoffmann. In der Zeit ohne Ablenkung durch die Glotze sollen sich die Übeltäter Gedanken über ihre Verfehlungen machen, so der Vollzugsbeamte. Und es fällt eine Menge Ablenkung weg.

Das Programm ist vielfältig, das Gefängnis in Berlin empfängt via Satellit bis zu 30 Programme. Aus welchen Kanälen sich das Angebot zusammensetzt, dürfen die Insassen hier sogar mitentscheiden. „Wir haben polnische, türkische oder chinesische Programme", sagt der Mitarbeiter der größten JVA Deutschlands. Das ist allerdings die Ausnahme, in anderen Bundesländern gibt es meist nur zu sehen, was man mit der Zimmer-Antenne empfangen werden kann.

Und wie ist das mit der Fernseh-Gebühr? Post von der GEZ gibt es nie. "Die Insassen sind von den befreit", sagt Hoffmann. Knast hat also auch Vorteile. Bleibt bloß die Frage, was schlimmer ist: Freiheits- oder Fernsehentzug.

Lesen Sie nächsten Mittwoch auf Morgenpost Online: „Warum sind die Nachrichten blau?“