Serie

Brutus, der alte Sack trifft Cato, den Listenreichen

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Josef Engels

Foto: DPA

Die Fernsehserie „Rom" bescherte der BBC beste Quoten. Die Sendung ist kein dröger Geschichtsunterricht, sondern ein lebhaftes, buntes Sittengemälde der antiken Gesellschaft. Jetzt ist sie jeweils Sonntag in Deutschland zu sehen.

Es sind wahrlich genügend Sentenzen von diesen historisch bedeutsamen Männern überliefert worden. Aber die? „Na, Brutus, alter Sack“, ruft Marc Anton dem späteren Mörder bei einem Besuch in Caesars Gallienlager jovial zu. Von so einer Begrüßungsformel haben uns unsere Latein- und Geschichtslehrer nie berichtet.

Und es gibt noch einige weitere Sprüche, mit denen das Personal der Fernsehserie „Rom“ die Komplizenschaft zwischen den Bewohnern der Welthauptstadt anno 50 v. Chr. und der Gegenwart zu beglaubigen versucht. Wir wollen sie nicht erwähnen. Vielleicht sind ja gerade Kinder anwesend.

Teure Produktion für das US-Fernsehen

Doch bevor man sich mit Grauen abwendet und an den nächsten Sonntagabenden RTL II ausgeschaltet lässt, sollte man der Reihe eine Chance geben. „Rom“ ist mit 100 Millionen Dollar die bislang teuerste Produktion des US-amerikanischen Bezahlsenders HBO, auf dem unter anderem auch „Sex And The City“ und „Six Feet Under“ das erste Mal zu sehen waren. Regie führte Michael Apted, in dessen Filmografie sich unter anderem der James-Bond-Streifen „Die Welt ist nicht genug“ befindet.

Der englischen BBC, die die Serie mitverantwortete, bescherte die Ausstrahlung des vorchristlichen Spektakels eine der besten Einschaltquoten in ihrer Geschichte. Warum? Folgen eins und zwei der sechsteiligen ersten Staffel, die morgen auf RTL II gezeigt werden, lassen es erahnen. Es gibt viel für die Augen. Prächtige Kostüme. Ein buntes, detailliert ausgemaltes Rom, das in seinem hektischen Treiben weniger an Sandalenfilme erinnert, sondern eher an die Bronx. Und einige nackte Frauen.

Sex and the City in der Antike

„Rom“ – das ist irgendwie „Sex And The City“, angereichert mit Gewalt (Gemetzel in Gallien) und politischen Intrigen (der Senat um Pompeius fürchtet einen Staatsstreichs Caesars). Letztere halten einen spätestens ab der zweiten Folge bei der Stange. Bei allen Vereinfachungen ist es spannend zu sehen, mit welchen taktischen Schachzügen Caesar (Ciaran Hinds) sich in den Kampf mit Pompeius (Kenneth Cranham), Cato (Karl Johnson) und Cicero (David Bamber) begibt. Ein saftiger Historien-Thriller, der sich da um den Fall der römischen Republik entspinnt. Dabei wird mit dem Zuschauer nicht gerade zimperlich umgegangen. Ihm werden antike Operationen am offenen Schädel zugemutet und blutige Tieropfer.

Bei dem Versuch, das Leben der einfachen Leute darzustellen, rutscht „Rom“ allerdings zuweilen auf Soap-Opera-Niveau ab. Doch gibt es auch da überraschende Momente, die die Serie vom TV-Mainstream abheben. Etwa, wenn der Offizier Lucius Vorenus (Kevin McKidd) aus dem gallischen Krieg zurückkehrt und seiner Familie völlig fremd geworden ist. Solche Szenen können sich auch in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Nachkriegsdeutschland abgespielt haben.

Ob diese Art von Geschichtsvermittlung das Bildungsniveau hierzulande verbessert, darf natürlich stark angezweifelt werden. Aber unterhaltsam ist „Rom“ auf jeden Fall. Und könnte dazu führen, dass manch einer noch einmal zu seinem Mommsen und zu „De Bello Gallico“ greift. Möglicherweise stand da doch irgendwo „alter Sack“ – und man hat es nur übersehen.

„Rom“, RTL II, bis zum 22. Juli jeden Sonntag, 20.15 Uhr