Trau-dich-Komödie

Männer schwimmen synchron durch die Midlife-Crisis

In der Komödie "Männer im Wasser" erobern die Herren eine alte Domäne zurück: das Synchronschwimmen. Bescheuert, aber herzzerreißend komisch.

Du musst dich nur trauen, dann wird alles gut: Das ist der dramaturgische Grundeinfall einer ganzen Reihe von Komödien, in denen Übermut und Aberwitz Menschen in etwas hetzt, wofür sie eigentlich nie und nimmer in Frage kämen. Ob es sich dabei um untrainierte Männer handelt, die vor Frauen strippen ("Ganz oder gar nicht"), um ältere Damen, die ihre längst schon verwelkten Körper für einen Kalender entblättern ("Kalender Girls") oder, ganz aktuell, um ehemalige Bolschoi-Musiker, die sich nach Jahren erneut als solche ausgeben und sich auf Tournee begeben ("Das Konzert"), stets geht die Sache gut aus: Die Mädels spendieren den Rettungsringen der Amateurstripper stehende Ovationen, die Pin-up-Ladies werden zu Medien-Sensationen und Vorkämpferinnen gegen den Zwang zur ewigen Jugend, die alten Hasen vom Bolschoi tricksen eine komplette Bürokratie aus.

Erst lachen wir über die Protagonisten, dann mit ihnen, deren Hemmungen und Vorurteile ja meist unsere eigenen sind. So könnte man fast von einem eigenen Subgenre sprechen: der Trau-dich-doch-Komödie.

Nach exakt demselben Prinzip funktioniert auch "Männer im Wasser". In diesem schwedischen Film lernen wir eine Handvoll Männer in der Midlife-Krise kennen. Sie haben teils ihren Job, teils ihre Familien verloren, aber ausnahmslos alle von ihnen den Lebenssinn. Soll das alles gewesen sein? Und vor allem: Soll es ewig so weitergehen?

In solchen Situationen flüchten sich Männer bekanntlich gerne in den Alkohol oder in den Sport, aber auch das gelingt ihnen nicht: In der Halle, in der sie sich bisher immer beim Hockeyspielen die schlechte Laune aus dem System gekloppt haben, trainiert jetzt ein Frauenverein.

Na toll. Da hilft nur ein beherzter Gegenangriff: Für einen Hochzeits-Gag steigen die Jungs in Badeanzüge und drehen ein Wasserballett-Video. Das kommt so gut an, dass man das Team für eine Party engagiert. Dort allerdings produzieren sie einen kolossalen Reinfall. Was aber nur für noch mehr Trotz sorgt: Jetzt erst recht.

Nach der Frauenemanzipation kommt nun also die Männeremanzipation. Und das ausgerechnet in einer Disziplin, die von den meisten gerne belächelt und als eine der exotischeren Frauenrandsportarten abgetan wird. Tatsächlich aber war das "Reigenschwimmen", wie es vor hundert Jahren noch hieß, ursprünglich eine reine Männerdomäne und wurde erst später von den Damen usurpiert.

Hier wird also ureigenes Terrain zurückerobert. Und nicht nur in der eigenen Kleinstadt, in der man für jede Abwechslung dankbar ist. Zum Finale treten die Schweden sogar bei der einschlägigen WM im Berliner Olympiastadion an.

Das alles ist einerseits völlig bescheuert, andererseits herzzerreißend komisch. Das einzige, was man dem Film vorwerfen kann: dass sein Regisseur Måns Herngren den Mut, den er seinen Protagonisten abverlangt, nicht auch selbst beweist, sich nicht traut, die Männer- und Frauen-Klischees gründlich auseinander zu nehmen. Am Ende begnügt er sich eben doch mit Wohlfühlkino.

Dennoch haben die "Männer im Wasser" ihren ganz eigenen Charme. Schließlich handelt es sich um den ersten großen Wasserballettfilm seit den Tagen von Hollywoods legendärer Aqua-Queen Esther Williams. Das ist immerhin schon 60 Jahre her. Alleine deswegen verdienen die Schwedenjungs Respekt. Unterwasserpirouetten traut sich im Kino sonst niemand mehr.