TV-Quoten

Wie Stefan Raab den Samstagabend rettet

In seiner Show musste Stefan Raab den Geschmack der Niederlage schmecken. Er stürzte beim Rennen mit den Mountainbikes, verlor gegen den "Schlag den Raab"-Kandidaten Hans-Martin. Trotzdem: Am Ende stand er als Sieger da. Er holte mit seiner Show einen neuen Reichweiten-Rekord.

Was hätte das doch für ein schönes Symbol für das Dahinsiechen der deutschen Fernsehunterhaltung sein können. Stefan Raab, selbsterklärtes Kampfschwein zur höheren Ehre der Zuschauerquote, fährt los mit seinem Mountainbike. Es ist das siebte Spiel von „Schlag den Raab“.

Raab kommt nicht zurecht mit seinem Hightechrad, er holpert über ein hölzernes Hindernis, das Rad kippt sanft nach rechts weg, und Raab beginnt intensiv und schmerzhaft mit dem Gesicht die ganze Länge der Strecke auszumessen. Benommen sitzt er anschließend im Staub, mit zerschundener Wange, erstversorgt von seinem Gegner Hans-Martin, Unfallchirurg im Brotberuf.

Raab wankt, aber er fällt nicht. Am Ende wird er jedoch verlieren, Gegner Hans-Martin nutzt Raabs Hinfaller, gewinnt nach hartem Kampf und ist um zwei Millionen Euro reicher.

An jedem anderen verdammten Samstag hätte der Sturz des Raab ein Sinnbild sein können. An diesem nicht. Rechnet man die Zuschauerzahlen nur der vier Quotenkönige dieses Abends zusammen, schalteten sich allein bei DSDS, „Schlag den Raab“, der Premiere des Comedians Guido Cantz als Moderator von „Verstehen Sie Spaß“ und dem ZDF-Krimi „Unter Verdacht“ mit Senta Berger rundgerechnet 20 Millionen Zuschauer zu.

Seit dem „Halstuch“ von Francis Durbridge und den seligen Tagen des dualen Fernsehsystems dürften nicht mehr so wenige Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen sein.

Der manchmal verwirrte Gott der TV-Unterhaltungsprogrammplanung hatte es diesmal aber auch perfekt hinbekommen, die Grundversorgung Deutschlands zu gewährleisten. Sie kamen sich nicht wesentlich ins Gehege. Der Krimi um geistigen Missbrauch in einem Elite-Internat, Raabs Brot-und-Spiele-Programm für höhere Ansprüche, Bohlens präpubertäres Superstarsuchen und das gutbürgerliche Samstagabendformat mit Lena Meyer-Landrut als Stargast.

Gleichwohl lag Dieter Bohlens DSDS diesmal deutlich vor "Schlag den Raab". 3,97 Millionen Zuschauer verfolgten laut DWDL im Schnitt die mehr als vierstündige Stefan-Raab-Show, in der sich der Entertainer bei einem Sturz verletzte und eine Gehirnerschütterung zuzog. Der Gesamt-Marktanteil von 15,5 Prozent bedeutet für Raab aber einen neuen Reichweiten-Rekord und einen Sieg.

Guido Cantz legte beim Wiederbelebungsversuch von „Verstehen Sie Spaß?“ einen mehr als launigen Abend hin . Senta Bergers Ermittlungen waren solide und durchaus auf dem Niveau hochgefeierter BBC-Serien.

Bei Dieter Bohlen kamen mit Menowin und Mehrzad die Quotenträchtigsten und vermutlich besten ins Finale. Und Stefan Raab ging erst ganz am Schluss die Puste aus. Totgeglaubte senden halt länger (und erfolgreicher).

Beim Halbfinale schalteten nach Senderangaben im Schnitt 6,24 Millionen Zuschauer ein (Markanteil 19,4 Prozent). Der Marktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag bei 30,3 Prozent (3,79 Millionen). Mit dieser Quote musste sich der RTL-Beststeller laut Branchendienst DWDLnur der "Tagesschau" (ARD) geschlagen geben.

Zuletzt war DSDS unter sechs Millionen gefallen. Am vergangenen Samstag wollten 5,9 Millionen Menschen (Marktanteil: 18,7 Prozent) Menowin und Co. sehen. Gegner war allerdings Thomas Gottschalks "Wetten dass..?", das 9,61 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 31,6 Prozent erreicht hatte.