TV-Kritik

So ist Berlin im Jahr 2030

Berlins Problemkiez heißt hier "Höllenberg", dort fliegen faule Tomaten. Die ZDF-Doku-Fiction "Aufstand der Jungen" geriet so zum unfreiwillig komischen Zukunftsdrama.

Im Berlin des Jahres 2030 ist ein freier Internetzugang Luxus, in manchen Stadtteilen herrscht die blanke Not, und das Allerschlimmste: Ein ZDF-Team, das über die traurige Situation im heruntergekommenen Bezirk "Höllenberg" berichten will, wird von aufgebrachten Anwohnern mit faulen Tomaten beworfen.

Unfreiwillig komische Szenen wie diese waren nicht gerade selten in Jörg Lühdorffs unbeholfen inszeniertem Zukunftsdrama, dem das ZDF den Stempel "Doku-Fiction" verpasst hat. Der Begriff Doku in der seltsamen Wortkombination bezieht sich auf den demographischen Wandel und daraus abgeleitete Zukunftsszenarien, die in der Tat düster sind: Immer weniger Junge sorgen für immer mehr Alte, die Sozialsysteme kollabieren, der Staat gerät aus den Fugen.

Es war fast schon rührend altmodisch und erinnerte an Fernsehspiele aus den siebziger Jahren, wie Lühdorff aus all den einschlägigen Fakten und Statistiken einen reißerischen Zukunftsplot über den jungen Verlierer Tim (Barnaby Metschurat) strickte - und gut gemeint war das alles sicher auch. Aber gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.