Musik

Linkin Park rocken Berlin

Mitte Mai erscheint weltweit das neue Album der Band. Am Samstag stellten Linkin Park die neuen Lieder aus "Minutes to Midnight" exklusiv vor. Die sechs Jungs aus Los Angeles erfüllten alle Erwartungen - und für ein paar Fans einen echten Traum.

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Um nach fast drei Jahren Abstinenz an alte Erfolge anknüpfen zu können, benötigt man eine gute Strategie. Wenn sich das Debüt-Album weltweit 15 Millionen Mal verkauft hat, die Auszeichnungen sich häufen und die Fangemeinde mit zu den treuesten gehört, steht man als Musikgruppe durchaus unter Druck. Ab hier zeigt sich, wer sich behaupten kann und wer nicht.

Linkin Park scheinen eine Strategie gefunden zu haben, die ihnen diesen Druck abnimmt und somit das wichtigste einer Musikband ungestört ermöglicht: Musik zu produzieren, die anders, einmalig und unverwechselbar klingt. Und sich dadurch sehr gut verkauft. Mit ihrem neuen Album „Minutes To Midnight“, das Mitte mai erscheint, haben die sechs Jungs aus Kalifornien ihren Output, ihre Definition von populärer Musik, bereits vorgelegt. Ihr Angebot muss jetzt nur noch getestet und für gut befunden werden. Da drängt sich die Idee eines exklusiven Konzerts für geladene Gäste auf.

Loyalität mit dem Fanclub

Ein begehrtes Gut gilt als knapp zu halten, damit es seine Attraktivität nicht einbüßt. Linkin Park treten in diesem Jahr nur in Hamburg, Berlin und zu „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ auf. Für das Berliner Konzert an diesem Samstag im Kesselhaus erhielten nur 1000 Fans die Möglichkeit, ihre Lieblinge live zu sehen. Der Verkauf der Karten dauerte ganze 90 Minuten. Der eigene Fanclub erhielt dabei einen kleinen Vorsprung. Für ihn startete der Verkauf schon zwei Tage früher. Der eigene Fanclub zählt auch zu den wenigen, die den letzten Output der Band in Form von einem Sampler („Linkin Park Underground V6.0“)“ besitzen. Loyalität zahlt sich aus.

Bei dieser Exklusivität verwundert es niemanden, dass Linkin Park vor vollem Haus nach bereits drei Songs das Kesselhaus in eine Saunalandschaft verwandeln. Überpünktlich beginnen sie, und nach 90 Minuten verschwinden sie. Ebenfalls überpünktlich. Warfen eben noch der Drummer seine Sticks und der Bassist sein Plektrum in die Menge, so enteilte die versammelte Truppe zehn Minuten später in vier schwarzen Vans dem Gelände der Kulturbrauerei. Niemand nimmt ihnen das übel. Beendeten sie doch ihre Zugabe mit einem ganz besonderen Angebot. Wer vom nächsten Song die Gitarrenriffs spielen kann, darf dem Gitarristen auf der Bühne die Arbeit abnehmen. Ein einmaliges Erlebnis für einen Fan, wenn er mit seiner Lieblingsband zusammen den Saal rockt.

Ihre akkurate Termingestaltung ergänzen Linkin Park durch ein sehr klares Layout des Plattencovers und der Präsentation ihres Logos. Eine Mischung aus Arbeitsamtsymbol und Illuminatenzeichen hängt in dreifacher Ausführung auf großen Bannern im Saal. Das Gefühl, einem konspirativen Treffen einer eingeschworenen Gruppe beizuwohnen, verstärkt sich. Sie verweigern sich einer Musikrichtung. Ihr Stil changiert zwischen Rock, Hard-Rock, HipHop und leichten Elektroeinflüssen. Auf „Minutes to Midnight“ gewinnt allerdings der Rock wieder die Oberhand. Die Kollaboration mit Jay-Z („Collision Curse 2004) katapultierte nicht nur ihren Umsatz und ihren Bekanntheitsgrad weiter in die Höhe, sondern erschloss ihnen auch neue Zielgruppen. Die Absicht, Rapper an Metal heranzuführen und umgekehrt, haben sie nicht aufgegeben. Schließlich gehören HipHop und Rock zu den Gewinnern in der Musikbranche der letzten Jahre. Die Idee, beides zu kombinieren, erfanden zwar nicht Linkin Park, dennoch könnte man sie aber als diejenigen bezeichnen, die diesen Crossover am konsequentesten vollführen. Das Soloprojekt des Halbzeit-Rappers der Band („Fort Minor“, 2005) ist nur ein Beispiel dafür.

Bei so einem Zusammenspiel von populärer Musik mit einer perfekten Marketingstrategie kann die Prognose für ihr neues Album nur sehr gut ausfallen. Denn Linkin Park hat neben all dem Wettbewerb der Musikbranche um zahlende Kundschaft eins nicht vergessen: Musik zu produzieren, die rockt.