Unter den Linden

Startschuss für Staatsoper-Sanierung gefallen

Die Künstler sind aus der Berliner Staatsoper ausgezogen, jetzt ziehen die Bauarbeiter in das Traditionshaus Unter den Linden ein. Mit einem festlichen Spatenstich wurde der Startschuss für die Sanierung gegeben.

Foto: dapd

Mit einem Festakt und symbolischen Spatenstichen ist am Dienstag die Sanierung der Berliner Staatsoper Unter den Linden eingeläutet worden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte das Haus und Berlin das „kulturelle Aushängeschild der Bundesrepublik“. Der Bund beteilige sich mit 200 Millionen Euro an den Baukosten. Das sei die höchste Summe, die derzeit für ein Einzelbauwerk in der Republik durch die öffentliche Hand ausgegeben werde. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete den Sanierungsbeginn als „gut für die Berliner Kultur“, denn Kultur sei wichtig für die Lebensqualität und das Image der Stadt.

Die Oper soll bis Oktober 2013 für rund 239 Millionen Euro grundlegend erneuert werden. Planungen vor fünf Jahren waren noch von 110 bis 120 Millionen Euro ausgegangen. Innerhalb von drei Jahren sollen die Probenräume, das Haus-Fundament, das Depot und das Intendantengebäude überholt werden. Sämtliche Theaterräume erhalten neue Technik, im großen Saal wird vor allem mit der Anhebung der Decke um vier Meter die Akustik verbessert.

Interimsspielstätte in dieser Zeit ist das extra sanierte Schillertheater in Berlin-Charlottenburg. Das 1993 geschlossene Haus wurde seit 2009 für mehr als 20 Millionen Euro umgebaut. Offizielle Spielzeiteröffnung dort ist am 3. Oktober. Am Sonntag waren rund 500 Mitarbeiter und Mitglieder der Staatsoper per Schiff auf der Spree symbolisch in das Theater umgezogen.

„Der Knobelsdorff-Bau ist mehr als ein Opernhaus – er ist ein Symbol für die Kultur im vereinten Deutschland“, sagte Neumann. „Es ist ein Haus großer Traditionen, bewegter und bewegender Geschichte.“ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei eine große Befürworterin des Projekts. Neumann bekannte sich „schuldig“, im Juli 2008 gemeinsam mit Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz den modern gehaltenen Siegerentwurf des Architekten Klaus Roth beim ersten Wettbewerb zum Saalumbau gestoppt zu haben. Das sei zwar bedauerlich für Roth gewesen, aber gut für das folgende Nachdenken und den Umgang mit Architektur der 1950er Jahre. Roths Nachfolger, der Stuttgarter Architekt HG Merz, kenne sich bestens mit historischen Bauten aus, was seine Arbeiten an der Alten Nationalgalerie und an der Staatsbibliothek Unter den Linden zeigten.

Weiter sagte Neumann: „Investitionen in die Kultur sind ein richtiges und wichtiges Signal, gerade in Zeiten der Krise.“ Angesichts der jahrelangen Diskussionen um die drohende Schließung eines der drei Berliner Opernhäuser habe vor allem der Hauptstadtkulturvertrag zwischen dem Bund und Berlin dazu beigetragen, dass keines der Gebäude das Schicksal der Oper in Detroit teile. Diese werde derzeit als Parkhaus genutzt.

Auch Wowereit ging nochmals auf die Diskussion zur künftigen Gestalt des Saales ein. Solche Debatten müssten ausgehalten werden, allerdings nach einer Entscheidung auch ihren Schlusspunkt finden. Die Entscheidung zum Stopp und zur Neuausschreibung sei kein Misstrauensvotum gegen die Jury gewesen. Vielmehr sei damit ein „Systemfehler“ im Wettbewerb behoben worden. Weil nunmehr „gigantische Investitionen“ vorgenommen würden, sei eine strenge Disziplin bei der Einhaltung der Baukosten vonnöten.

Intendant Jürgen Flimm entgegnete darauf, die Staatsoper trage „sehr, sehr viel“ zur Sanierung bei und habe bereits bei speziellen baulichen Anforderungen Einsparungen im Wert von sieben Millionen Euro angeboten.

Die Oper war von 1741 bis 1743 nach dem Entwurf des Architekten Georg Wenzeslaus Knobelsdorff errichtet und unter Friedrich dem Großen als Königliches Opernhaus eröffnet worden. Es war das erste Musiktheater Europas, das unabhängig von einem Schloss gebaut wurde. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in den 50er Jahren von Leitung des Architekten Richard Paulick wieder aufgebaut.