Deutschland sucht den Superstar

Der DSDS-Traum ist für Holger vorbei

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Antje Hildebrandt

Vielleicht hat sich DSDS-Kandidat Holger Otto Göpfert nach seinem Rauswurf seinen Lieblingsdrink gegönnt: Bier mit Strohhalm – sei es ihm gegönnt. Das Motto "sexy Songs" jedenfalls lag dem Verwaltungsangestellten aus Güntersleben nicht. Der Gesang mag an Qualität gewinnen. Aber die Sympathie ist weg.

Wenn er Glück hat, muss er eines Tages für die Masterfrage bei „Wer wird Millionär?“ herhalten: Wie hieß der Favorit der sechsten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, der schon voreilig als Deutschlands Antwort auf Paul Potts gefeiert worden war?

Es hat sich ausgeholgert. Holger Otto Göpfert, 27, Verwaltungsangestellter aus Güntersleben, Lieblingsgerichte: Hähnchen mit Pommes, Lieblingsgetränk: Bier mit Strohhalm, flog gestern aus der vierten Mottoshow. Es ging diesmal um „sexy Songs“, und dieses Motto besiegelte Holgers Rauswurf.

Vielleicht hätte sich die Jury die Mühe machen sollen, dem Froschkönig vorher zu erklären, was s-e-x-y bedeutet. Ließ doch schon dessen Wahl für Gary Moores Ballade „Still got the blues darauf schließen, dass die Geschichte von Holger und dem Sex Appeal eine Geschichte voller Missverständnisse ist.

Vielleicht waren Papa Bohlen und Konsorten aber auch zu dem Schluss gekommen, dass – Krise hin, Show her – Deutschland noch nicht reif für einen Superstar ist, der Assoziationen mit „Forrest Gump“ weckt. Die Filmfigur, von der man nicht genau weiß, ob sie Elvis trotz oder gerade wegen ihres IQ von 75 und ihrer beiden Beinschienen zu dessen berühmten Hüftschwung inspiriert hat.

Zwar ist die Suche nach einem Star in dieser Staffel ohnehin zur Nebensache geworden. Geträllert wird eher nebenbei, wie die gestrige Folge wieder zeigte. In erster Linie geht es darum, jedem Teilnehmer ein Profil zu verschaffen, das maßgeschneidert auf seine Zielgruppe passt.

So bohlt „Everybodys Arschloch“, besser bekannt als Annemarie, um die Mädels mit prämenstruellem Syndrom (PMS), Vanessa um die pummeligen Schlagerfreundinnen und Sarah um die Brigitte-Leserinnen von morgen, die noch einige Mitesser und die Lektüre von Dale Carnegies Ratgeber „Sorge dich nicht – lebe!“ vom Erwachsenwerden trennen.

Benni soll die männlichen Pelzmantelträger, Dominik die Schwiegermamas und Daniel die Warmduscher/Innen bei Laune halten. Einer wie Holger musste in dieser Liga zwangsläufig durch die Maschen rutschen. Bis zum Ende wussten die Produzenten nicht so genau, ob sie ihn zu den Ausnahme-Entertainern oder doch lieber zu den Pflegefällen stecken sollten.

Wie es scheint, war seine Rauswahl ein von langer Hand vorbereiteter Schachzug. Bei DSDS wird nichts dem Zufall überlassen. Der Reiz der neuen Strategie, den Akzent von der Opera auf die Soap zu verschieben, drohte sich abzunutzen.

Die Suche nach einem/er Gewinner/in, sie fängt jetzt noch einmal von vorne an. Vielleicht, so das Kalkül der Produzenten, wird das die verbliebenen Teilnehmer zum Endspurt auf der Zielgeraden ermutigen.

Wenn es noch einen Rest Gerechtigkeit bei RTL gäbe, dann müsste das verbliebene Resttalent in Gestalt von Sarah gewinnen. Mit ihrer Performance von Kelly Clarksons „The Trouble with Love is“ ließ sie sowohl eine in Baccaras Gefilden wildernde Vanessa („Yes Sir, I can boogie“) als auch Annemarie in ihrem feuerroten Reizpanzer („Lady Marmelade“) wie Tötenser Tanzmäuse erscheinen.

Vermutlich hätte sie auch dann noch die übrigen Kandidaten von der Bühne gepustet, wenn der Mutmacher der Nation, Bruce Darnell, ihr Ego vorher nicht einer wundersamen Aufbaukur unterzogen hätte. Denn seit wann fördert es das Selbstbewusstsein, wenn man wie eine Bratwurst über den Boden rollt?

Doch weil Papa Bohlen keinerlei Anstalten macht, das Sensibelchen unter seine Fittiche zu nehmen („Normalerweise ist Bruce der, der weint – und der andere guckt zu. Diesmal war’s umgekehrt“), wird es jetzt wohl auf den Kandidaten hinauslaufen, dem der Chef-Juror schon in einer früheren Folge vorhergesagt hätte, er wäre einmal der ideale Kandidat fürs „Dschungelcamp“: Benni.

Die singende Joy-Fleming-Gedächtnisfrisur hat nicht nur mehr Charisma als Dominik und Daniel und 99 Staubsaugerbeutel zusammen. Sie hat auch den unschlagbaren Vorteil, dass sie Männer und Frauen gleichermaßen anspricht.

Gestern rockte Benni im Pelzmantel einen leeren Tigerkäfig. Und wenn Nina Eichinger hinterher bemerkte, es rieche irgendwie eigenartig, dann könnte das nicht nur an dem Pelzmantel gelegen haben.

Nach diesem Auftritt dürfte jedenfalls sogar Holger eine Ahnung davon bekommen haben, was Sex-Appeal ist. Das, wie gesagt, hätte ihm die Jury auch vorher erklären können. Dass sie es unterließ, hat aber vielleicht auch seine Vorteile. Wer weiß, was den Zuschauern damit noch erspart geblieben ist.