Rechtsstreit

DSDS-Fans revoltieren im Netz gegen RTL

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Lars Winckler

Foto: dpa / DPA

RTL kennt keinen Spaß, wenn es um DSDS geht: Der Sender hat eine Fanseite im Internet abgemahnt, weil deren Betreiber geringfügige Werbeeinahmen erzielt hatte. Nun sind auch andere verunsichert und schließen ihre Angebote. Fans bezeichnen das Vorgehen des Senders als "Blutgrätsche von hinten".

Der Fernsehsender RTL verteidigt seine Marke „DSDS“ („Deutschland sucht den Superstar“) mit harten Bandagen – und legt sich dabei auch mit den eigenen Fans an. So mahnte RTL vergangene Woche die Fanseite „DSDS-News.de“ ab und forderte sie auf, diese Adresse („Domain“) nicht mehr zu verwenden und sie an RTL zu übertragen. Der Fernsehsender beruft sich dabei auf das Marken- und Wettbewerbsrecht.

"DSDS-News.de" ist eine Art Blog mit eigenen Geschichten über die TV-Sendung. Leser können dort Kommentare verfassen und sich per Archiv über bisherige Staffeln informieren.

„Das Angebot hat mit einer klassischen Fanseite nichts zu tun“, sagte ein RTL-Interactive-Sprecher Morgenpost Online. „DSDS-News.de“ sei eine kommerzielle Webseite, die Werbung zeige. RTL stört sich vor allem daran, dass das Portal für Suchmaschinen wie Google optimiert worden ist ("Search Engine Optimisation"), um eine hohe Reichweite zu erzielen. Das unterstreiche den kommerziellen Gedanken. Der TV-Sender betont, dass er ansonsten „hundertprozentig“ hinter Fanseiten stehe.

Doch im Internet nehmen das viele RTL nicht ab. Vor allem die Betreiber von anderen Fanseiten haben sich auf die Seite von „DSDS-News.de“ gestellt, weil sie nun selbst fürchten, von RTL attackiert zu werden. Das Forum „DSDS-Superstar.de“ hat bereits freiwillig seinen Betrieb eingestellt, „um RTL zuvorzukommen“.

Die Seite „DSDSnews.de“ vermutet, dass sich nun viele von DSDS abwenden werden. Andere Fans und Blogger bezeichnen das Vorgehen von RTL als „dumm“, „gierig“ und als „Blutgrätsche von hinten“. Selbst Fanseiten von anderen TV-Formaten zeigen sich solidarisch. „Wenn RTL Eure Seite schlucken will, dann sollen sie sich wenigstens daran verschlucken“, heißt es hämisch auf der „Popstarseite.de“, die an die Castingshow „Popstars“ von Pro Sieben angelehnt ist.

Der Betreiber der abgemahnten „DSDS-News“-Seite, Philipp Klöckner, hat indes Widerstand angekündigt. So verweigerte er die Abgabe einer Unterlassungserklärung, lässt sich nun durch den Markenrechtsanwalt Alexander Graf von Kalckreuth vertreten. Der vertritt die Auffassung, dass es sich bei der Fanseite um ein Themenportal mit redaktionellem Schwerpunkt handelt, das von der Pressefreiheit geschützt sei. Zudem sei durch die deutliche Kennzeichnung als „inoffizielle News- und Internetseite“ sichergestellt, dass es sich nicht um ein Portal des Markeninhabers RTL handeln würde.

Klöckner betreibt seine Fanseite seit drei Jahren. Sie zählte zuletzt mit rund 47.000 Besuchern im Monat („Unique User“) zu den erfolgreichsten ihrer Art. Er verweist darauf, dass er mit der Seite keineswegs kommerzielle Absichten hege. Nach eigenen Angaben stehen den Einnahmen von bis zu 500 Euro im Monat auch hohe Kosten gegenüber. Er halte die Seite gerne werbefrei, „wenn RTL im Gegenzug die vierstelligen Serverkosten und die Aufwandsentschädigungen der Autoren trägt“.

„Während RTL bisher nur nach Absprache die Verwendung der Bildmarke untersagte und ansonsten das Projekt duldete, wofür wir stets dankbar waren, scheint jetzt die Gier zu siegen und man will das Projekt nicht nur schließen, sondern sich gleich einverleiben und Versäumtes nachholen“, schrieb Klöckner auf seiner Webseite. RTL konterte, dass Klöckner selbst in Interviews eingeräumt habe, mit der Seite Geld verdienen zu wollen. So hatte der Fanseitenbetreiber im Blog „Massenpublikum.de“ offen zugegeben, dass es sich bei „DSDS-news.de“ um ein „kommerzielles Projekt“ handelt. Und der Blog „DieWeltistscheisse.de“ zitiert ihn mit den Worten, dass man nur eben genug planen müsse, „dann kann man auch das ganze Jahr gut davon leben“.

Nun droht Klöckner ein Gerichtsverfahren, denn RTL will in diesem Fall nicht nachgeben, wie das Unternehmen auf Anfrage von Morgenpost Online betonte.

Im Netz sorgt der Sender damit für Kopfschütteln. „Wir tragen doch maßgeblich dazu bei, dass es diesen Hype um die Sendung gibt“, so Stephan Schmied, Betreiber von „DSDS-Superstar.de“. RTL profitiere von den vielen Dutzend Fanseiten im Internet, weil das Unternehmen selbst kein ansprechendes Angebot für seine Fans bereithalte. Das RTL.de-Forum sei einfach „mickrig“.