Kunstmarkt

Nach oben! Georg Baselitz kann beruhigt auf seine Preise schauen

Der deutsche Künstler hat zuletzt sein eigenen Werke noch einmal gemalt. Überall wird er gelobt, längst hat er die Millionengrenze hinter sich gelassen. Und Galeristen halten ihn noch für "unterschätzt".

Es ist gerade viel los im Leben von Georg Baselitz. 2006 verkaufte er seinen Wohnsitz Schloss Derneburg in Niedersachsen und ließ sich am Ammersee in Oberbayern nieder. Neben solchen Änderungen im Privatleben dürfte Georg Baselitz im vergangenen Jahr einen guten Teil seiner Energien auch in sein gerade sichtbares Kunstschaffen investiert haben.

Bis zum 5. Oktober war in der Pinakothek der Moderne in München eine Ausstellung zu sehen, in der knapp über 60 Arbeiten aus den Jahren 2005 und 2006 von ihm gezeigt wurden. 25 großformatige, für Baselitz zugegebenermaßen normalformatige, Öle auf Leinwand aus dem Jahr 2005 hingen, zwölf aus dem Jahr 2006. Von den Papierarbeiten in Mischtechnik stammten 22 aus 2006, die überwiegend in den April datiert sind, und zwei aus 2005. Eine stattliche Produktion in kurzem Zeitraum also.

Die Pinakothek präsentierte diese Arbeiten unter dem Ausstellungstitel „Remix“ und bezeichnete damit gleichzeitig den besonderen, auch recht gewagten Ansatz von Baselitz für diese Schau. Der Ansatz ist dem Bereich der Popmusik entnommen. Wie in diesem Genre, in dem „Hits“ nach Jahrzehnten mit neuen Mitteln wieder aufgelegt werden, so bedient sich Baselitz seiner wichtigen programmatischen Bilder aus den 60er, 70er und 80er Jahren als Ausgangspunkt für die Arbeiten der Serie.

Flüchtig und malerisch nicht unbedingt differenziert wirken die Ölgemälde, auch die Papierarbeiten. Das jedoch ist nicht ihr Manko, sondern Programm der Schau. Was sich früher in langen Arbeitsphasen und aufwühlenden Prozessen auf der Leinwand entwickelte, hat sich bei den Stücken der Remix-Serie in nur wenigen Stunden entfaltet. Ihre Genesis war im Ganzen eher eine, für den Künstler atypisch, Kopfarbeit, und ist nicht emotionalen oder expressiven Ursprungs, für die Baselitz' Malerei eigentlich steht. Die Remix-Serie gibt sich aber eher als eine Art Wesensschau des Künstlers in seine eigene Schaffensgeschichte.

Mit historischer Distanz ging Baselitz daran, die eigenen Bilder noch einmal zu malen. Dabei kam es ihm nicht auf die maltechnische Erforschung des Bildthemas an, sondern um die Ergründung seiner eigenen emotionalen und künstlerischen Haltung gegenüber seinem bisherigen Werk, seinen Themen und ihrer entwicklung. Es wäre spannend zu wissen, wie zufrieden Georg Baselitz selbst war.

Kein bedeutendes Museum präsentiert sich ohne Baselitz-Gemälde. Wie schaut das Preisgefüge auf dem Weltmarkt für einen der bedeutendsten Künstler der deutschen Nachkriegsgeschichte aus? Sehr gut, wenn man die Ergebnisse des überprüfbaren Secondary Market, die internationalen Auktionsergebnisse betrachtet, die stetig nach oben gehen. Die Millionen-Schallmauer ließ Baselitz bereits Anfang der 1990er Jahre hinter sich.

Am 13. November 1991 zahlte ein Kunde bei Sotheby’s in New York 1,1 Mio. Dollar für das Ölgemälde „Ludwig Richter auf dem Weg zur Arbeit“ von 1965. In Frühjahr 2006 stellten Christie’s in London den neuen Weltrekord auf. Ein Käufer bewilligte im Februar 2.1 Mio. Dollar (brutto) für „Ein Roter“ von 1965. Generell haben sich die frühen Arbeiten aus der Mitte der 1960er Jahre, die romantischen Helden, zu den teuersten entwickelt. Seit 2001 wechseln sie stetig mit mehr als einer Mio. Dollar in neuen Besitz mit kontinuierlicher Tendenz der Wertsteigerung. Die 70er Jahre liegen noch etwas darunter, mit runden 500.000 bis mehr als 800.000 Dollar. Die 80er Jahre sind noch günstiger im Erwerb und haben sich im Auktionswesen auf um die 400.000 Dollar eingependelt.

Für die Kenner des Baselitz-Marktes ist klar, dass die Preisbildung nach oben noch nicht abgeschlossen ist und weiterhin mit gutem Wertzuwachs gerechnet werden kann. Der Berliner Galerist Michael Schultz, für den Baselitz „der bedeutendste deutsche Künstler der Nachkriegszeit ist“, meint sogar, „dass noch sehr viel Potenzial nach oben ist. Georg Baselitz ist meiner Meinung nach unterbewertet“, resümiert Schultz, „und müsste mindestens ebenso eingeschätzt werden wie Gerhard Richter“.