David Hasselhoff

Knight Rider und der gefallene Held der 80er

Es gab mal einen mit Locken, schönen Frauen und einem Wunderauto. David Hasselhoff war der Held einer ganzen Generation von Grundschülern. Und er ist tief gefallen. Aber David Hasselhoff hat einen nostalgischen Rückblick auf seine große Zeit verdient.

Foto: EMPICS

Das Internet kann so grausam sein. Wenn man den Helden der Grundschulzeit bei YouTube suchen lässt, stößt man auf ein sechsminütiges Video, in dem ein halbnackter Bettrunkener einen zerfallenen Burger vom Boden eines Hotelzimmers in sich hineindrückt. Das Video hat ein Stück Kindheit genommen und gnadenlos platt gemacht, hat den Rückwärtsgang eingelegt und ist noch mehrmals drüber gefahren. Das ist aus David Hasselhoff geworden? Dem Held der Drittklässler von 1989?

Zugegeben, das klingt jetzt sehr pathetisch, und der ein oder andere mag die Augen verdrehen. Doch Hasselhoff war für uns das, was Pierre Briece mal für unsere Eltern gewesen war. Was die Kelly Family wenige Jahre später für unsere jüngeren Geschwister werden sollte. Die Wiedervereinigung war für uns kein historisches Ereignis sondern das größte Hasselhoff-Konzert aller Zeiten: Wir dachten tatsächlich, die Leute würden wegen David auf der Mauer tanzen. Und selbst seine lächerliche Jacke mit den Leuchtsternen fanden wir cool. Es sei uns verziehen, schließlich erlagen unsere Mütter zur gleichen Zeit dem Irrglauben, Dauerwellen sähen gut aus. Wir widersprachen nicht, schließlich hatte David ja auch Locken. Aber unsere Mütter hatten nicht, was David hatte: Gebt mit ein K, gebt mit ein I, gebt mir zwei T, was heißt das? Richtig: „Knight Industries Two Thousand“ – K.I.T.T. (auf keinen Fall die Punkte vergessen!), das Wunderauto aus der Serie „Knight Rider“.

Unser Mann mit Mamas Frisur und peinlicher Leuchtjacke

Bevor wir überhaupt wussten, wie das Auto vom Papa funktionierte und warum es eigentlich drei Pedale hatte, wussten wir schon, was es NICHT konnte: Es hatte keinen „Super Pursuit Mode“, der K.I.T.T. in weniger als 10 Sekunden auf 300 km/h beschleunigten. Ebenso wenig gab es in Papas Auto einen großen leuchtenden Knopf im Armaturenbrett, auf dem „Turbo Boost“ stand. Wenn Hasselhoff den drückte, sprang K.I.T.T. über beliebig hohe Hindernisse. (Vorausgesetzt, in der Nähe gab eine Rampe. Zum Glück standen die in der Welt von Knight Rider an jeder Ecke herum.) So einen Sprung über den Kreisverkehr hätte Papas Auto auch kaum unbeschadet überstanden. Aber immerhin hätte es sich nicht beschwert, denn es konnte ja auch nicht sprechen!

Ohne K.I.T.T. wäre Hasselhoff das gewesen, was Luke Skywalker ohne sein Laserschwert wäre: Eine uninteressantes Würstchen. (Bezeichnend, dass Hasselhoff vor Knight Rider im italienischen Star Wars-Abklatsch „Star Crash“ mitspielte.) Aber er hatte nun mal K.I.T.T., und das machte den Mann mit Mamas Frisur und peinlicher Leuchtjacke zu UNSEREM MANN. Täglich diskutierten wir in der ersten großen Pausen, was gestern bei „Knight Rider“ passiert war. Die Handlung war dabei unwichtig. Stets ging es um eine holde Maid, die von skrupellosen Verbrechern erpresst wurde, mit der Hasselhoff anbändelte und sie schließlich rettete. Die Pausenhofdialoge beschränkten sich darauf, zu erörtern, über was K.I.T.T. diesmal gesprungen ist. Wie toll war es mal wieder, als das Auto in seine mobile Garage gefahren ist – den braunen Truck von „Knight Industries“, der immer ziellos durch eine Wüstenlandschaft fuhr. Hasselhoffs Assistentin war die hübsche Bonnie, nach K.I.T.T. der zweite Grund einzuschalten. Denn Bonnie war unser erster feuchter Traum, ehe wir überhaupt wussten, dass es feuchte Träume gibt.

Wunderbrüste statt ein Wunderauto

Jeder, der K.I.T.T. gefahren und Bonnie als Assistentin gehabt hätte, wäre unser Held gewesen. Glück für Hasselhoff, dass er es war. Und schlau von ihm, dass er wusste, wann es Zeit war, aufzuhören. Denn unser Interesse an Knight Rider ließ ungefähr zur gleichen Zeit nach, als das andere Raider in Twix umbenannt wurde. K.I.T.T. war nicht 90er-Jahre tauglich, Hasselhoff überraschenderweise schon.


Als Ersatz für sein Wunderauto umgab er sich in seiner neuen Serie „Baywatch“ mit den schönsten Frauen Amerikas. So

konnte er einerseits sein Dasein als UNSER MANN im Fernsehen weiterhin sichern und gab seinen mittlerweile pubertierenden Fans, was sie wollten: Wunderbrüste statt ein Wunderauto.


Unsere Väter haben mittlerweile Autos, die K.I.T.T. immer ähnlicher werden. Sie haben GPS-Sensoren und Bordcomputer und blinken zur Begrüßung mit den Lampen, wenn man sie aus drei Meter Entfernung aufschließt. Hasselhoff kommt dagegen sehr hilflos rüber, wenn er anno 2006 K.I.T.T. durch billige Musikvideos zu peinlichen Songs steuert. Betrunken beim Burgermahl vom Hotelfußboden gefilmt zu werden hat er allerdings nicht verdient. Dafür war er einfach zu lange unser Held.