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Fernsehjournalist Lothar Loewe gestorben

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Foto: #J. Schulz / Joachim Schulz

Der Berliner Journalist verstarb im Alter von 81 Jahren. Für die ARD berichtete Lothar Loewe aus Washington, Moskau und Ost- Berlin. In den 80er-Jahren war er Intendant des Senders Freies Berlin.

Er gehörte zu den Pionieren unter den deutschen Fernsehjournalisten, seine prägnante Stimme war ein Markenzeichen: Lothar Loewe, der wegen seiner Berichte aus der DDR ausgewiesen wurde, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 81 Jahren in Berlin, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mitteilte.

Der 1929 in Berlin geborene Journalist war ARD-Korrespondent in Washington, Moskau und Ost-Berlin. Von 1983 bis 1986 war er Intendant des Senders Freies Berlin (SFB), einem der RBB-Vorgänger. „Er war und blieb immer Reporter. Sobald die Aktualität rief, war er da“, sagte RBB-Intendantin Dagmar Reim. Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen sagte am Montag, Lothar Loewe sei „der herausragende Rundfunkreporter der Nachkriegszeit gewesen“. Er habe die Ehre gehabt, sein Nachfolger in Moskau, Washington und Ost-Berlin zu sein. Loewe habe auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gearbeitet. „Seine Reportagen bleiben Vorbild für unerschrockene Meinungsfreude.“ Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte zum Tod des Lothar Loewes: „Die Pressewelt ist um einen engagierten Journalisten ärmer.“ Loewe sei ohne Zweifel ein „journalistisches Urgestein“ gewesen. Seine Reportagen hätten immer wieder gezeigt, dass ein Journalist mit Gespür für politische Entwicklungen – auch Fehlentwicklungen – am Werke war. „Er wollte unbequem sein und war es auch. Insbesondere der DDR-Führung, die ihn 1976 wegen seiner Berichterstattung aus Ost- Berlin auswies.“

Er nannte die Dinge beim Namen

Loewe hatte unter anderem über die Selbstverbrennung des ostdeutschen Pfarrers Oskar Brüsewitz berichtet. Dessen öffentliche Selbstverbrennung 1976 in Zeitz hatte bedeutsamen Einfluss auf die Kirche und spätere Opposition in der DDR. Der Liedermacher Wolf Biermann trat am 11. September 1976 nach elf Jahren Berufsverbot in der Prenzlauer Nikolaikirche auf und bezeichnete Brüsewitz' Selbsttötung als „Republikflucht in den Tod“.

Bekannt wurde Loewe vor allem durch seine direkte und unbekümmerte Art, die Dinge beim Namen zu nennen. Mit einem Satz schrieb er Fernsehgeschichte: „Hier in der DDR weiß jedes Kind, dass die Grenztruppen den strikten Befehl haben, auf Menschen wie auf Hasen zu schießen“, sprach er im Dezember 1976 ins Mikrofon. Die „Tagesschau“, die auch in weiten Teilen der DDR gesehen wurde, strahlte den Bericht aus.

Das Maß ist voll, meinten die SED-Machthaber, die den Journalisten schon lange loswerden wollten. Er war bereits mehrfach verwarnt worden, beschattet wurde er sowieso. Der Beitrag galt im offiziellen Sprachgebrauch als eine „grobe Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR“. Loewe musste innerhalb von 48 Stunden Ost-Berlin als „unerwünschte Person“ verlassen und passierte am Weihnachtsabend 1976 den Grenzübergang nach West-Berlin. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns und den folgenden Künstlerprotesten lagen die Nerven im SED-Politbüro blank. Für Loewe war das eine weitere Etappe seines Journalistenlebens.

Der gebürtige Wilmersdorfer hatte sein Kindheit und Jugend im heute polnischen Landsberg an der Warthe verbracht. Die Schlacht um Berlin erlebte er als Hitlerjunge mit. Seine journalistische Laufbahn hatte bei West-Berliner Zeitung begonnen. Für das Blatt „Der Abend“ berichtete er 1953 vom Aufstand am 17. Juni im Ost-Teil der Stadt und als einer der wenigen westlichen Reporter 1956 vom Ungarischen Volksaufstand. Ende der Fünfziger wechselte er zum Axel Springer Verlag und wurde Mitarbeiter der „Berliner Illustrirten“.

Später wechselte er zum Fernsehen. In Washington hatte er von 1961 bis 1967 unter anderem über die Kuba-Krise und die Ermordung John F. Kennedys berichtet, auch über die Reaktionen in den Vereinigten Staaten auf den Bau der Berliner Mauer. Von 1967 bis 1970 war er dann ARD-Korrespondent in Moskau. Im Dezember 1974 wurde er Leiter des neu errichteten ARD-Studios in Ost-Berlin.

Nach seinem Abgang aus der DDR kehrte er als Korrespondent nach Washington zurück. Im März 1983 wurde er überraschend zum Intendanten des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) gewählt. Sein Führungsstil wurde aber zunehmend als ruppig und „ungewöhnlich autoritär“ empfunden, so dass es schließlich zum „Aufstand“ kam und Loewe im Mai 1986 den Rückzug antrat.

Nach dem Fall der Mauer wurde Loewe Hörfunkbeauftragter für den Deutschlandsender Kultur der DDR, der mit dem Kölner Deutschlandfunk und dem Berliner Sender Rias in ein neues nationales Hörfunksystem mit DeutschlandRadio und Deutschlandfunk überführt wurde. Immer wieder trat er als Kolumnist u.a. der „Welt am Sonntag“ oder „Bild“-Zeitung oder auch Zeitzeuge der Entwicklung in Ost und West in der Öffentlichkeit auf.

( BMO )