Kino

Die blonde Versuchung für Pierce Brosnan

| Lesedauer: 2 Minuten
Cosima Lutz

Mit Star-Besetzung wartet der Film "Married Life" auf. Er erzählt von einer Vierecksbeziehung in den Vierzigerjahren. Chris Cooper spielt einen Ehe- und Pierce Brosnan einen Lebemann, die sich beide in eine Blondine – Rachel McAdams – verlieben. Der Film ist eine gelungene Liebeserklärung an das Hollywoodkino.

Seine Ehegattin aus humanitären Gründen einschläfern zu wollen, weil man sich in eine platinblonde Schönheit verknallt hat und der Frau die Schmach der Scheidung ersparen will, dann aber ein untalentierter Mörder zu sein: Das klingt nach einer Komödie, die, zumal im Jahr 1949 spielend, eigentlich nach Marilyn Monroe oder Doris Day schreit, nach James Stewart oder Cary Grant. Wir schreiben aber nun einmal das Jahr 2008, sowohl Billy Wilder als auch Alfred Hitchcock sind tot, und Regisseur Ira Sachs tut einen Teufel, sich damit abzufinden. Was man in gebotener Betulichkeit einen Glücksfall für Freunde des gepflegten Eskapismus nennen darf.

Mit seinem gerade einmal dritten Spielfilm bietet der 1965 geborene Sachs die denkbar beste Besetzung für eine cineastische Zeitreise erster Güte auf: Chris Cooper spielt in der Adaption von John Binghams „Fünf Kurven in den Himmel“ den freundlichen, aber unglücklichen Allerwelts-Herren Harry Allen, den die Midlife Crisis fest im Griff hat. Verheiratet ist Harry mit der zerbrechlichen Pat, mit sanfter Nähe zum Wahnsinn kongenial verkörpert von Patricia Clarkson.


Beide sind befreundet mit Richard Langley, einem zwischen Großmut und Eigennutz schillernden Gentleman, wie ihn dann doch nur Pierce Brosnan darstellen kann. Und schließlich, als explosives Zentrum des Beziehungsgeflechts: eine zuckersüße, melancholisch umflorte Rachel McAdams als junge Kriegswitwe Kay Nesbitt. Harry also liebt Kay, Richard will sie ihm ausspannen, und dann kommt alles drei Mal anders als gedacht.

Wie glaubwürdig auch immer es ist, dass ein gestandener Mann wie Chris Cooper blöd vor Liebe zum potenziellen Giftmörder wird: Um brave psychologische Darlegungen geht es Sachs nicht. Viel lieber legt er seine ganze Sorgfalt – neben der Besetzung – in Ausstattung und blitzblank geschliffene Dialoge. Um das alles ausgiebig zu entfalten und mit einem schönen Schleier der Ironie zu durchwirken, gönnt sich „Married Life“ zwischendurch eine Langsamkeit, die erstens zur unaufgeregten Eleganz seiner Protagonisten passt und zweitens mit hübschen Wendungen immer wieder aufs Unerwartetste durchkreuzt wird.