Konzert in Berlin

Muse rocken - der Admiralspalast erzittert

Seit 15 Jahren rockt das britische Trio Muse, was das Zeug hält, und erobert mit seinem einzigartigen Sound Charts und Arenen der Welt. Bei einem kurzfristig angesetzten Clubkonzert im Berliner Admiralspalast zeigten die Musiker, warum sie zu den beliebtesten Live-Acts der Welt gehören.

Foto: picture-alliance/ dpa

Volles Haus im Admiralspalast. Der Unterhaltungstempel an der Friedrichstraße hat inzwischen seinen festen Platz im umtriebigen Kulturleben der Stadt. Während am Montagabend auf der Studiobühne Mark Scheibe seine aktuelle „Berlin Revue“ zelebriert und auf der kleinen Bühne unterm Dach beim „Theatersport“ nach Lust und Laune große Dramen und kleine Komödien improvisiert werden, wird der große Saal kurzerhand zur Rockarena umfunktioniert. Muse, das britische Rock-Trio, das Ende Oktober die O2 World heimsuchen wird, hat sich kurzfristig zu einem Clubkonzert in Berlin entschlossen, um die Fertigstellung des neuen, fünften Albums „The Resistance“, das am Freitag erscheint, zu feiern.

Und das zumeist junge Publikum im mit 1000 Besuchern ausverkauften Admiralspalast feiert die pompös-lautstarke Truppe vom ersten Song an. Es ist die neue Single „Uprising“, mit der das von einem Keyboarder unterstützte Trio um 21.15 Uhr den außergewöhnlichen Abend in Berlin eröffnet. Sänger, Gitarrist und Keyboarder Matthew Bellamy, Bassist Christopher Wolstenholme und Schlagzeuger Dominic Howard haben sich in den vergangenen Jahren mit ihren so wütenden wie poetischen Kraftakten an die Spitze des britischen Rock katapultiert und mit „Starlight“ oder „Supermassive Black Hole“ bereits einige veritable Hits gelandet.

Sie haben es geschafft, wieder etwas frischen Wind in die britische Musik zu bringen. Muse haben den nötigen Druck, bestechen durch intelligente Arrangements und haben mit Matthew Bellamy einen stimmstarken Frontmann in ihrer Mitte, der mal in poppigstem Tenor, mal in schmeichelndstem Falsett, mal mit rüdem Unterton Schicksale und Tragödien des Lebens besingt. Versteht man bei der Lautstärke und dem breitwandigen Sound im Admiralspalast allerdings nicht immer. Musikalisch steht Muse fraglos in der Prog-Rock-Tradition. Die Band wird gern mit Radiohead verglichen, bedient sich aber auch vorsätzlich bei 70er- und 80er-Klassikern wie Led Zeppelin oder Queen. Das sehnsüchtige Pathos mancher Kompositionen erinnert durchaus auch an Hymnenfabrikanten wie Ultravox oder Depeche Mode.

Lautstärke ist bei Muse ebenso Stilelement wie das flirrend bedrohliche Lichtspiel, das die Stimmungsschwankungen von depressiven Phasen bis zu aggressiven Ausbrüchen so hektisch wie stimmig untermalt. Zwischendurch leistet es sich Bellamy sogar, den einst noch mit einem Moog-Synthesizer eingespielten Pop-Oldie „Popcorn“ als brachiale E-Gitarrenversion zu zerpflücken. Nach 70 explosiven Minuten ist der kreative Zusammenprall mit Muse schon wieder zu Ende. Der Applaus ist frenetisch. Zugaben folgen prompt.