Neu auf CD

Jamie T setzt an zur Rettung der Popmusik

Auf seinem zweiten Album rettet der junge Jamie T rettet mit Mundart, U2-Gitarren und wütenden Raps den Pop. The Cribs spielen eher bescheiden mit Smiths-Gitarrist Johnny Marr. Und Scarlett Johannson kann immer noch nicht singen – das aber sehr schön. Morgenpost Online bespricht die Platten der Woche.

Foto: AFP

Jamie T: Kings And Queens (Virgin)

Jamie Treays achtet auch im Gesang auf seine Londoner Mundart. Kaum ein Künstler pflegt sie noch wie er. Seit Billy Bragg mit Dialektliedern die Menschheit rettet, gilt gesungene Straßensprache als moralische Verpflichtung. Jamie T aus Wimbledon rettet als Cockney-Barde allenfalls sich selbst, die Internationale der Verkaterten, die eigene Zunge und den Pop. Als Ein-Mann-Band hat er ein unglaubliches zweites Album aufgenommen, nach dem Küchenmitschnitt "Panic Prevention" von 2007. Mittlerweile ist er auch schon 23. Das gibt ihm das Recht, gewitternde U2-Gitarren einzusetzen und zu rappen wie ein wütender Migrant. Es kommt so ziemlich alles vor, was zwischen Punk und HipHop denkbar scheint. Auch Jamie T bedient sich aus dem Vorrat, der sich im Laufe der Popgeschichte angehäuft hat. Allerdings vergisst er dabei keineswegs den Alltag. Seine Songs feiern das Dasein grundlos gut gelaunter Großstädter. Man wird in komplizierten Liebesfragen beraten oder aufgeheitert durch so unnütze Empfehlungen wie eine Kubareise vor dem Abgang Fidel Castros. Einmal taucht sogar "The Queen Of Hearts" auf, ein uralter Folksong, den von Martin Carthy über Billy Bragg schon jeder Londoner sang, der etwas auf sich hielt.

4 von 5 Punkten

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Brendan Benson: My Old Familiar Friend (Echo)

Auf der Rückseite der Stadion-Single "Seven Nation Army" von den White Stripes war der Titel "Good To Me" versteckt. Ein Stück von Brendan Benson. Der geschätzte Liedermacher fand sich später bei Jack White und dessen Raconteurs wieder. Ihr rustikaler Bluesrock hat bei Benson aber keine bleibenden Spuren hinterlassen. Seine vierte Soloplatte widmet er wieder elf hinreißenden Popsongs, die im Mainstream treiben könnten, wenn der Mainstream nicht so träge wäre.

4 von 5 Punkten

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The Cribs: Ignore The Ignorant (Wichita)

Sie sind eine englische Gitarrenband wie unzählige andere auch. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass bei den Cribs jetzt Johnny Marr mitwirkt, der Gitarrist der Smiths, und Traditionen ins Spiel bringt.

2 von 5 Punkten

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Pete Yorn & Scarlett Johansson: Break Up (Boyletown)

Scarlett Johansson kann immer noch nicht singen. Dies gelingt ihr allerdings noch reizender als bei ihrem Gesangsdebüt 2008, als ihr Dave Sitek half, Tom-Waits-Lieder zu hauchen. Überraschend abgründig trägt sie nun Stücke von und mit Pete Yorn vor, übers Haarewaschen und den Tod.

3 von 5 Punkten

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M: Pop Muzik. 30th Anniversary Remixes (Echo Beach)

Vor 30 Jahren sicherte sich Robin Scott mit einem einzigen Welthit seine Rente. "Pop Muzik" gehört zu den vollkommenen Stücken, die beim ersten Hören völlig albern klingen und einem beim zweiten Mal die Fassung rauben. "New York, London, Paris, Munich: Everybody talk about Pop Muzik." Dafür hatte Scott ein Kunststudium geschmissen und in London Folksongs übers grüne Gras gespielt, war nach Paris gezogen und hatte sich M genannt. Jetzt haben die Bewunderer im Dutzend den Geniestreich neu interpretiert. Im Remix messen sich verdiente Veteranen wie die Überreste der Band Devo mit aktiven DJs wie Todd Terje und Karl Moestl. Shoobie Doobie Doo Wop.

4 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster