Tote Hosen-Konzert

Campino bringt Berliner Waldbühne zum Rocken

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Michael Hufnagel

Foto: dpa / dpa/DPA

Man sollte meinen, dass eine Band, die schon alles erlebt hat, zu keinen Superlativen mehr in der Lage ist. Campino von den Toten Hosen dachte das wohl auch, aber dann muss er sich korrigieren. „Ihr seid das Publikum, auf das wir 27 Jahre gewartet haben", lobt er die Fans in der proppenvollen Waldbühne.

Der Mann weiß zu schmeicheln, aber es stimmt schon: Es herrscht Stimmung wie beim Karneval, die Düsseldorfer Dauerpunks haben eine Art Heimspiel. Selbst in den obersten Reihen der Freilichtbühne im Murellental werden sie frenetisch gefeiert. Ob es daran liegt, dass sich der Sommer und damit auch die Saison in der Waldbühne dem Ende zuneigt und man noch mal im Freien das gute Wetter genießen will? Oder freut man sich, weil man beim vorerst letzten Gastspiel der Hosen vor großer Kulisse dabei sein darf? Die Stimmung ist jedenfalls ausgezeichnet.

Unten im Moshpit wurde schon beim Auftritt der Gruppe Ska-P aus Spanien eifrig Pogo getanzt und Staub aufgewirbelt, weshalb der Boden in der Umbaupause erst einmal gewässert werden muss. Das gelingt einwandfrei, doch die Wirkung ist nur von kurzer Dauer. Schon während der ersten Hosen-Songs fliegen wieder Staubpartikel durch die Luft. Einige Zuschauer haben Fahnen mitgebracht, die man in dieser Größe auch oft in Fankurven bei großen Fußballspielen sieht. Das ist ein ganz natürlicher Reflex, denn in den Refrains der Toten Hosen steckt die Kraft von Stadiongesängen. Allein der Song „Nur zu Besuch“ wirkt besinnlicher. Der Rest des Repertoires bringt die 22.000 Fans schnell zum Mitsingen.

Die „Machmalauter“-Tournee der Rheinländer wird bald zum Ende kommen. Nächste Woche gibt es aber noch eine Zugabe. Nach vier ausverkauften Konzerten in der Columbiahalle, der O 2 World, der Wuhlheide und eben in der Waldbühne begeben sich die Toten Hosen überraschend auf Clubniveau. Am Mittwoch steht ein Zusatzkonzert im Kreuzberger SO 36 an. Dieser Veranstaltungsort wurde nicht ohne Grund gewählt. Der traditionsreiche Punk-Club ist aufgrund von Vermieterquerelen von der Schließung bedroht, deshalb geht der komplette Eintrittspreis an den Betreiberverein. Der exklusive Tickervorverkauf findet am Dienstag an der Konzertkasse 36, Oranienstrasse 29, zwischen 20-23 Uhr statt.