Abschlusskonzert in der Wuhlheide

17.000 Fans feierten Peter Fox in Berlin

Es sollte sein absolut letztes Konzert als Solist sein, aber die Fans in der Wuhlheide wollten das am Mittwochabend nicht wahrhaben und feierten Peter Fox frenetisch. Der 37-jähriger Familienvater Pierre Baigorry, dem sein rapider Solo-Aufstieg allmählich selbst unheimlich wurde, will sich künftig wieder in sein Elf-Freunde-Projekt Seeed einreihen.

Foto: ddp / ddp/DDP

Nein, nein, nein. An Abschied will hier partout keiner denken. Hier, im ausverkauften Open-Air-Rund der Kindl-Bühne Wuhlheide, wo Peter Fox am Mittwochabend sein viertes und letztes Konzert vor dann zusammen fast 70.000 Menschen gegeben hat. Hier wird geschwelgt, gesungen, gefeiert und einem Star gehuldigt, der es innerhalb nicht mal eines Jahres zum erfolgreichsten deutschen Musiker geschafft hat. Und der nun die zweite Haut seiner Kunstfigur Peter Fox – vorerst – ablegen will. Dahinter kommt wieder Pierre Baigorry zum Vorschein, 37-jähriger Familienvater aus Kreuzberg, dem sein rapider Solo-Aufstieg allmählich selbst unheimlich wurde und der sich künftig wieder in sein Elf-Freunde-Projekt Seeed einreihen will, in dem er einer von drei Sängern ist. Er ist also für die Popwelt keineswegs verloren.

Die Frage, ob nun tatsächlich und endgültig Schluss sein wird mit Peter Fox sei mal dahingestellt. Gestern Abend jedenfalls konnte er sich vom Erfolg umarmen lassen, den er mit seinem Solo-Album „Stadtaffe“ im vergangenen Jahr angezettelt hat. Es ist 20.45 Uhr, als die Affen den Thron besteigen. 17 Musiker stehen beim Auftakt auf der Bühne, inklusive Seeed! Es sei das letzte Konzert in diesem Jahr, sagt er – mit Betonung auf diesem Jahr. Schon früh im Programm gibt’s „Haus am See“, den Hit von der Flucht in die Ruhe der Natur. Dann wieder feiert er in „Schwarz zu Blau“ seine Heimatstadt Berlin mit markigen, bereits geflügelten Worten: „Guten Morgen Berlin, Du kannst so hässlich sein … und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich Dich zum Atmen brauch“. Mächtige Grooves halten alles in Bewegung, angetrieben von den fünf formidablen Marching-Band-Trommlern Cold Steel. Die Band ist bestens eingespielt. Dass er sich auch auf Balladen versteht, untermauert Fox mit dem wehmütigen „Ich Steine, Du Steine“. Die Wuhlheide-Besucher gestern hatten übrigens Glück, es blieb trocken. Beim Konzert am Dienstag hatten Gewitter und Regen einen Teil des Publikums in die Flucht geschlagen. Die Mehrheit blieb standhaft, wenn auch klatschnass.

Viele Familien mit Kindern sind da. Peter Fox ist der Konsens-Popstar, auf den sich alle einigen können. Er hat Stefan Raabs European Song Contest gewonnen. Er wurde im Februar 2009 mit gleich drei „Echo“-Musikpreisen gekürt. Mehr als 800.000 Mal hat er das Album „Stadtaffe“ inzwischen verkauft. Er genießt es, auf der Bühne zu stehen – nur die zunehmende Popularität im Alltag macht ihm zu schaffen. Weshalb er zur Überraschung vieler im Sommer seinen Abschied von der Kunstfigur Peter Fox und weiteren Konzerten verkündet hatte. „Auf der Straße werde ich dauernd erkannt. Meine Privatsphäre leidet massiv darunter“, sagte er. Es ist nicht leicht, ein Star zu sein. Also: „Alles neu“, wie später in einem anderen Peter Fox-Song heißt: „Hey, wenn’s Dir nicht gefällt, mach neu!“ Zurück auf Anfang.

So ist dieses letzte Berlin-Konzert – in diesem Jahr – auch so etwas wie eine Stabübergabe. Und aus Peter Fox wird beim Finale wieder Pierre Baigorry, der als „Enuff“ zum Sängertrio der Berliner Dancehall-Caballeros Seeed stößt. Mit Mönchskutte und „Dickes B.“ wird die Menge in der wogenden Wuhlheide euphorisiert. Gemeinsam gehen Seeed nun wieder ins Studio, im kommenden Jahr soll ein neues Album erscheinen. Es gibt ein Wiedersehen. pem / huf