Berlinale-Kolumne Teil 7

Wie Schönheitschirurgen in Hollywood versagen

Ellen Barkin, Michelle Pfeiffer und Demi Moore scheinen kaum zu altern – angeblich, weil sie so viel Sport machen, wenig essen und Unmengen grünen Tees trinken. Der Morgenpost-Online-Reporter glaubt, dass es daran allein nicht liegen kann und machte sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Hollywood-Stars.

Alle reden heute über Ellen Barkin. Die Schauspielerin tritt in „Happy Tears“ auf, ihre Finger sind schmutzig, sie schlingt Essen herunter und schmatzt dazu. Ihre Haare sind kunstvoll derangiert. Aber die Glaubwürdigkeit leidet ein wenig darunter, dass Ellen Barkins Gesicht nicht ganz natürlich zu sein scheint, in ihren Lippen könnten Schläuche stecken, die Nase hat sich gegenüber früheren Bildern verändert, die Stirn scheint halb zu platzen, halb am Hinterkopf festgetackert zu sein. Ich bin nicht sicher, wie viel Method Acting im Spiel ist. Barkin war bis 2006 mit einem Kosmetik-Milliardär verheiratet.

Ihr gegenüber in „Happy Tears“ sitzt Demi Moore, die ähnlich Symptome zeigt. Sie wirkt in ihrer Rumänien-Bluse aber wesentlich gesünder. Moore hat selbst erklärt, sie verdanke ihr Karriere-Tief ihrem jugendlichen Aussehen. Erstaunlich, was man mit grünem Tee und Gymnastik alles erreichen kann.

Am Dienstag war der Berliner Michelle-Pfeiffer-Tag, wir Filmkritiker sind zur Wahrheit verpflichtet, also sage ich: Michelle Pfeiffers Gesicht sieht in früheren Rollen anders aus. Sie verrät, dass es dafür genügt, sich gute Benimmregeln aufzuerlegen. O-Ton: „Wenn Du fit sein willst, musst Du aufhören, wie ein Schwein zu essen“. Hat Pfeiffer Ellen Barkin vor Augen?

Irritierend finde ich, dass weibliche Hollywood-Stars, die sich aktiv mit dem Altern auseinandersetzen, sich immer ähnlicher werden. Offensichtlich kauft man Nasen, Lippen, Stirnfüllungen prêt-à-porter, obwohl eigentlich Maßschneiderei angeraten ist. Am Ende sind sie austauschbar, es gibt vor lauter Schönheitsideal nur noch ein Ur-Gesicht. Es könnte also auch Iris Berben als Michelle Pfeiffer gehen, oder Demi Moore findet neue Jobs als Meg Ryan. Chirurgen und Computerdesigner sollten aber schleunigst das Gliedmaßen-Problem lösen. Wenn die Stars nämlich vor den Fotografen die Hände heben, ist die Diskrepanz erschütternd. Auch Madonna kann ein trauriges Lied davon singen.

Wer es als Zuschauer den Stars nachtun möchte, dem sei ein Produkt aus Brandenburg empfohlen. Die Klosterbrauerei Neuzelle bietet ein Anti-Aging-Bier an, mit Kurbad-Sole und Algenzusatz. Endlich wieder Schönheit, die von innen kommt! Man kann locker zehn Flaschen davon verzehren und tapfer sagen: „Ich bin keinen Tag älter geworden.“ Macht bei zehn Jahren Jugenderhaltung aufgerundete 3600 Anti-Aging-Biere – wenn das kein günstiger Schnitt ist. Michelle Pfeiffer darf, um fit zu bleiben, gern in Ruhe und gesittet trinken.