Berlin-Konzert

Berliner päppeln die Scissor Sisters auf

Das Konzert wurde in einen kleineren Klub verlegt und war dennoch nicht ausverkauft: Den Scissor Sisters und ihren Fans war es egal. Der kreative Kopf der Band, Jake Shears, mag Berlin sowieso: Er nutzt die Stadt als Inspirationsquelle.

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Vor vier Jahren waren die Scissor Sisters das große Ding. Es war die Zeit, als die Band mit dem Ohrwurm „I Don‘t Feel Like Dancin“ an der Spitze der Charts stand. Fortsetzung folgt garantiert, dachte man zuerst. Dann aber stellte sich heraus, dass diese Scissor Sisters nicht die geborenen Hit-Lieferanten sind. Bis heute wartet man auf einen ähnlichen Verkaufsschlager, was zur Folge hat, dass der Band langsam das Publikum wegläuft. Ihr Berlin-Konzert sollte ursprünglich in Huxley‘s Neuer Welt stattfinden, doch dann war die Kartennachfrage so gering, dass man den Auftritt in den intimeren Postbahnhof verlegte, der auch nicht ausverkauft ist.

Loyale Fans und eine Riesenparty

Die sechs Musiker aus New York und ihre zwei Gastsängerinnen nehmen es professionell. Sie lassen sich von dem Malheur nicht aus der Fassung bringen. Ana Matronic erzählt von einem Festivalauftritt am Tag zuvor in Belgien, auf den das Publikum regungslos mit verschränkten Armen reagierte. „Berlin muss uns jetzt wieder aufpäppeln“, fordert die im feschen schwarzen Kleid gewandete Sängerin und Animateurin. Und Berlin tut ihr den Gefallen. Die loyalen Fans feiern sie und die Band von den ersten bis zu den hinteren Reihen, klatschen, jubeln und tanzen wie bei einer Riesenparty. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Band das Material ihres neuen Albums „Night Work“ vorstellt oder ein älteres Stück wie „Laura“ spielt – die Stimmung ist sofort da und ebbt nicht ab.

Ein bisschen wie Abba

Jake Shears überrascht das alles nicht. Der Sänger und kreative Impulsgeber hat vor kurzem ein paar Monate in Berlin durchgefeiert, um auf andere Gedanken zu kommen und neue Songs zu schreiben. „Night Life“ ist einer davon, hier flackern bunte Disco-Lichter und klingt der Refrain wie bei Abba. „Wir sind eine humorvolle Band“, informiert die immer besser gelaunte Matronic und legt in „Any Which Way“ zum Beweis einen gesprochenen Part vor, mit dem sie ihren Partner um Geschlechtsverkehr bittet, zur Not vor den eigenen Eltern.

Weniger ungezogene Stücke stoßen im Postbahnhof auch auf Gegenliebe. In „She‘s My Man“ kann man die Melodie aus Elton Johns „I‘m Still Standing“ heraushören. Auch die Version von Pink Floyds „Comfortably Numb“ kommt gut an. Die Scissor Sisters täten gut daran, sich wieder auf diesen von den siebziger Jahren geprägten Stil zu besinnen. Dann ist bei ihren Konzerten womöglich wieder mehr los.