Fotografie

Herlinde Koelbl stellt Werkschau in Berlin vor

Die Fotografin Herlinde Koelbl hat in Berlin die erste Retrospektive zu ihrem Werk vorgestellt. Die Ausstellung, die im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, richte den Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sagte die Fotokünstlerin. In der Ausstellung werde sehr viel bislang Unbekanntes präsentiert.

Herlinde Koelbl hat „Feine Leute“ genauso fotografiert wie nackte Männer, Kinder, Punks und ein Rentnerpaar, das auf einer Kreuzfahrt schmust. Bekannt sind ihre Bilder von Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel aus der Serie die „Spuren der Macht“, die zeigt, wie sich Menschen im Amt verändern. Ein Meilenstein sind ihre „Deutschen Wohnzimmer“ von 1980, die noch heute Bühnenbildner und Filmschaffende inspirieren. Aber auch Unbekanntes ist in der ersten Werkschau Koelbls zu sehen, die der Berliner Martin-Gropius-Bau bis 1. November präsentiert.

Ob „Schlafzimmer“, „Haare“ oder Abstraktes: Mehr als 450 Fotografien aus drei Jahrzehnten sind zu entdecken. Ein Raum gehört den „Spuren der Macht“, ergänzt mit jüngeren Bildern der Politiker. Koelbl, die im Oktober 70 wird, machte am Donnerstag bei der Präsentation der Schau deutlich, dass sie immer noch große Freude an ihrer Arbeit und am Experimentieren hat. „Wichtig ist, mich selbst herauszufordern“, sagte sie. Was sie als Nächstes plant, wollte sie nicht verraten. Am Herzen liegen Koelbl die „Jüdischen Porträts“, bei denen sie in den 80er Jahren die Geschichte von Holocaust- Überlebenden erzählte – noch vor Steven Spielberg. „Ich werde die Begegnungen, die ich hatte, nicht vergessen.“

Koelbl, die für ihren Blick auf die deutsche Gesellschaft geschätzt wird, begann ihre Karriere als Autodidaktin in den 70er Jahren. Sie war nie fest in eine Redaktion eingebunden. „Das Erstaunliche ist, dass sie mit ihren Ideen ihrer Zeit vorauseilt“, sagte der Publizist Hans-Michael Koetzle. Ein Beispiel: Als Koelbl die Wohnzimmer fotografierte, habe sich zunächst niemand dafür interessiert. „Sie erfindet sich immer wieder neu“, schwärmte Koetzle. Museumsdirektor Gereon Sievernich sagte, mit der Ausstellung gehe ein langgehegter Traum in Erfüllung. Zum Programm gehören auch Filme und Videos.