GSG-9-Einsatz

Gestohlener Caravaggio war kein Original

Mitglieder der Elitetruppe GSG 9 haben vor wenigen Tagen vier Männer festgenomen, die in Berlin ein gestohlenes Gemälde verkaufen wollten. Einen Caravaggio - so hieß es zunächst. Doch es war eine Kopie.

Das in Odessa gestohlene und in Berlin am vergangenen Freitag beschlagnahmte Caravaggio-Gemälde "Die Festnahme Christi", auch bekannt als "Judaskuss", ist nach Einschätzung des Direktors der Berliner Gemäldegalerie, Bernd Lindemann, eine "sehr gute zeitgenössische Kopie aus dem 17. Jahrhundert, die nur zeigt, wie groß die Wirkungsmacht Caravaggios wirklich war".

Der originale Caravaggio hängt, so die Einschätzung vieler Experten, in Dublin. "Erst 1990 wurde das Gemälde dort in einem Jesuitenkloster entdeckt", bestätigte Lindemann Medienberichte gegenüber Morgenpost Online. Anhand einer Provenienzforschung sei man zu dem Schluss gekommen, dass es sich um das Original handelt. Bis dahin sei die Forschung davon ausgegangen, dass in Odessa der echte Caravaggio hänge. Wer der Künstler der Kopie sei, könne man allerdings nicht sagen, erklärt Lindemann. Auch der Wert des Gemäldes sei unklar, "wirklich schwer zu sagen". Dass es sich bei Caravaggio um eine Kopie handelt, sei ein generelles Problem, da es eine breite Bilderfolge des italienischen Ausnahmekünstlers des Frühbarocks gäbe.

Für die Berliner Ermittlungsbehörden ist die Diskussion über die Echtheit des Gemäldes derzeit noch von untergeordneter Bedeutung. "Für uns steht der Straftatbestand im Vordergrund. Wir haben es nach derzeitigem Kenntnisstand mit dem dringenden Verdacht des Diebstahls und der Hehlerei zu tun, unabhängig vom Wert des gestohlenen Gegenstandes", sagte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA). Das BKA war von den ukrainischen Behörden eingeschaltet worden, nachdem dort bekannt geworden war, dass das gestohlene Bild in Berlin angeboten werden sollte. Seit dem Diebstahl des Gemäldes aus einem Museum in Odessa vor zwei Jahren wurde international nach den Tätern gefahndet. Polizeibehörden mehrerer europäischer Länder waren ebenso beteiligt wie Versicherungsdetektive. Offenbar durch einen Tipp aus der "Szene" kam die Polizei auf die Spur einer straff organisierten Bande von Kunstdieben und Hehlern.