Wandel eines Sängers

Everlast – von Hip Hop über Islam zu Country

Mit der Hip-Hop-Band House Of Pain wurde er in den Neunzigern berühmt. Jetzt ist Everlasts neues Album erschienen, auf dem er hörbar nachdenklicher, aber nicht mutlos klingt. "Steige aufs Pferd und reite weiter", sagt Everlast im Gespräch mit Morgenpost Online. Sogar mit alten Rivalen hat er sich versöhnt.

Es gibt Künstler, die bei ihrem Ritt durch die Karriere merkwürdige Haken schlagen. Künstlerische, wirtschaftliche oder menschliche. Der irischstämmige Amerikaner Eric Schrody ist so einer: Als Anführer des weißen Hip-Hop-Unternehmens House of Pain versorgte er die Welt Anfang der Neunzigerjahre mit bedrohlich pumpender und inhaltlich nicht unumstrittener Rapmusik.

Ihr "Jump Around" galt damals schon als Klassiker des Genres. Dann folgten die ersten schweren Niederlagen für den Menschen Eric Schrody und sein Künstler-Ego Everlast: private Trennungen, geschäftlicher Ärger und ein schwerer Herzinfarkt, der beinahe das Leben kostete, ließen Everlast vernünftig werden: "Bis dahin war mein Leben ein wildes 'Jump Around'", beschreibt der mittlerweile 39-jährige den Wendepunkt in seinem Leben. "Wenn dir dann solche Dinge widerfahren, macht es dich wacher. Sensibel für deine Umwelt. Du machst dir Gedanken, und du kannst sie plötzlich sogar formulieren."

Das Ensemble House of Pain löste er auf, konvertierte zum Islam, vervollkommnete seinen Körper, ging in sich - und reüssierte vor etwa zehn Jahren unter einem weiteren Künstlernamen, Whitey Ford, als nachdenklicher, bodenständiger Blues- und Countrysänger. Drei Alben veröffentlichte Whitey Ford, der Erfolg blieb ihm zumindest anfangs treu.

Seine Läuterung war glaubhaft

Man nahm ihm seine Läuterungen ab, man vertraute ihm, man mochte die behände perlenden Songs eines offenbar erwachsen gewordenen Musikers. "Und stets von Hoffnungen erfüllt", fügt Everlast hinzu. "Du legst keine Everlast-Platte auf, während du dir eine Wumme an den Kopf hältst. Du legst sie auf, wenn dich schwierige Erfahrungen plagen. Wenn du Verständnis suchst."

Und doch kam alles anders als erhofft: erneuter Ärger im Geschäft, erneute Trennungsschmerzen. Schließlich ließ die hip-hop-übliche Tendenz zur Selbstkopie das öffentliche Interesse sinken. Er verschwand wieder, vier Jahre lang. Man weiß heute, dass Everlast in aller Stille seine alte Gruppe House Of Pain aussöhnte und mit anderen das Rap-Projekt La Coka Nostra gründete, deren Debütalbum im späteren Herbst dann auch erscheinen soll.

Aber selbst seine eigene Karriere lässt er nicht verkümmern. Jüngst erschien sein viertes Soloalbum "Love, War and the Ghost of Whitey Ford". Wie der Titel verspricht, geistert der Countrybarde Whitey Ford noch immer durch die Songs, wo heute Beats und Westerngitarren wie alte Freunde aufeinandertreffen.

"Die letzten Aufnahmen waren meine Expedition ins Reich der Klänge. Jetzt bin ich angekommen, bei meinem ureigenen Stil. Jeder Blueser spielt zehn Jahre immer dasselbe, um herauszufinden, wie Musik sich nach ihm selbst anhört", sagt Everlast.

Everlast kümmert sich um Politik

Auch Krieg und Liebe sind als gern thematisierte Gegensätze nicht ganz neu im Pop. Die Liebe hat den Menschen Eric Schrody wiederum ereilt, den Künstler Everlast bewegen nun sogar die Kümmernisse amerikanischer Politik. Der Krieg. Ja, Everlast hat was zu sagen, und dies tut er in sehr deutlichen, versiert gesetzten Worten. "Nach dem Ton für solche Texte musste ich langen suchen. Aufgeschrieben habe ich allerdings nichts. Geschriebene Worte besitzen keine Seele, kein Gefühl."

Und um Gefühl und Glück geht es dem schwergewichtigen Hip-Hop-Veteranen in der Tat ausschließlich. Die Musik sei nur noch das Vehikel seiner frohen Botschaft. Everlast: "Ich selbst habe genug mit meinem eigenen Glück zu tun. Das kostet Kraft. Aber es ist den Aufwand wert. Davon erzähle ich: Wenn dir Mist widerfährt, steige aufs Pferd und reite weiter; es gibt so viel Gutes zu entdecken auf dem Weg zum Horizont."

Everlast: Love, War and the Ghost of Whitey Ford (Pias)