Unsere Besten

Diese Kunst-Stars sind "Made in Germany"

Deutschland gehört zu den wichtigsten Exportländern - gerade was die Kultur angeht. Renommierte europäische Kritiker küren auf Morgenpost Online ihre deutschen Kulturstars. Hier unsere Besten im Bereich "Kunst". Weitere Rubriken: "Klassik", "Literatur", "Film".

Foto: pk/tm / pa/dpa

Deutsche Kunst? Keine Frage – es gibt eine ganze Reihe schillernder Figuren, die in London sowie in der internationalen Kunstszene zurzeit von großer Bedeutung sind. Da wäre beispielsweise Isa Genzken zu nennen, deren Arbeit „Oil“ vor Kurzem auf der Venedig-Biennale zu sehen war.

Und dann natürlich die Leipziger Schule, die mit dem Namen Neo Rauch verbunden ist. Hier in London sind die Kunstkenner geradezu obsessiv auf der Suche nach Neuem, nach innovativen Impulsen. Die Leipziger Schule ist inzwischen zum Schlagwort für alles Neue und Frische in der Gegenwartskunst geworden.

Rauch, Meese, Gursky und Genzken sind Kunststars


Insgesamt muss man sagen, dass Kunst aus Deutschland während der letzten 20 bis 30 Jahre international immer stark vertreten war. Man denke nur an den großen Gerhard Richter, der das Verhältnis von Malerei und Fotografie völlig neu überdacht, ja erfunden hat. Er ist fraglos in einer Reihe mit Andy Warhol und Francis Bacon zu nennen.

Leider gab es bisher noch keine große Richter-Werkschau in London – aber das wäre hier ohne jeden Zweifel ein großes Kulturereignis, das nicht nur Spezialisten, sondern auch ein breiteres Publikum anziehen würde. Zurzeit gehören die Deutschen Neo Rauch sowie die jüngeren Künstler Jonathan Meese und André Butzer zu den prominentesten Gestalten in der modernen Malerei.

Auch in der Fotografie haben sich einige deutsche Künstler international etabliert, insbesondere Andreas Gurski und Thomas Struth. Und momentan frage ich mich, ob vielleicht Isa Genzken eine neue Ära der Skulptur-Kunst einläuten wird.

Nur Kiefer macht spezifisch deutsche Kunst

Deutschland ist also in den verschiedensten Genres und künstlerischen Medien vertreten, und es würde mich heute schon überraschen, wenn dem auf einmal nicht mehr so wäre. Sammler und Kritiker blicken stets mit großer Neugier auf deutsche Kunst. London und New York mögen die internationalen Zentren des Kunstmarktes sein. Berlin aber ist das Zentrum der Kunstproduktion. Viele Künstler leben hier, und so steht noch immer die Kreativität im Vordergrund.

Wenn in London über deutsche Künstler gesprochen wird, dann spielt deren Deutschsein weniger im historisch-politischen Sinne eine Rolle. Anselm Kiefer ist hier vielleicht eine Ausnahme, weil er in seinen Werken ganz spezifisch deutsche Themen behandelt.

Schau mal: ein wilder Deutscher!

In den meisten Fällen aber steht das Deutschsein der Künstler zunächst einmal für eine bestimmte Schule oder Stilrichtung, inhaltlich sprechen sie eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht. Struth und Gursky etwa stehen für eine „objektive“ Bildsprache in der Fotografie und Jonathan Meese für eine wilde und schmutzige Kunst des Beteiligtseins.

Das ist schon fast zum Klischee geworden. Heute hört man die Leute in einer Londoner Galerie sagen: „Ah, schau mal, wieder eines dieser wild-schmutzigen deutschen Gemälde.“ Das ist aber alles andere als abwertend gemeint.

* Aufgezeichnet von David Deißner

* Ossian Ward ist Kunstkritiker in London und schreibt für die Magazine „Time Out“ und „Monopol“